Geschichte nachhaltiger Geldanlagen

Schon das Alte Testament, der Koran und andere religiöse Schriften enthalten zahlreiche Hinweise, die einen ethisch und sozial verantwortungsbewussten Umgang mit Geld fordern (nicht zu vergessen zahlreiche Kommentare zur Mäßigung und Ressourcenschonung). Es dauerte jedoch mehr als zweitausend Jahre, bis eine Religionsgemeinschaft in den USA und Großbritannien nachhaltige Anlagekriterien entwickelte. Die Quäker verpflichteten im 19. Jahrhundert die von ihnen geführten Unternehmen dazu, Investitionen in Rüstungsbetriebe  zu unterlassen. Ihre Ausschlusskriterien wurden später von kirchlichen Banken und Investoren übernommen und um weitere Kriterien ergänzt (heute: Ausschluss von Alkohol und Drogen produzierenden Unternehmen, Glückspiel und Pornographie, zum Teil auch Verhütungsmittel). 

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich das ethische Investieren zu einem Instrument der Friedens- und Anti-Apartheid-Bewegung: In den 70er Jahren kämpften Kleinaktionäre erfolgreich gegen den Einsatz von Napalm, einem besonders brutalen Nervengas, das von Dow Chemical für den Vietnamkrieg erfunden wurde. Zeitgleich zogen Kirchen, Universitäten und andere große Anleger  ihre Gelder aus Unternehmen zurück, welche Geschäftsbeziehungen mit dem Apartheids-Regime in Südafrika unterhielten.  

In Deutschland waren es Umweltkrisen wie das Waldsterben und die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl, die zur Verbreitung nachhaltiger Geldanlagen beitrugen. Viele Anleger weigerten sich damals, die an den Krisen beteiligten Unternehmen durch ihre Geldanlage zu finanzieren. In den 70er Jahren entwickelten sich deshalb spezielle Nachhaltigkeitsbanken, welche die Gelder ihrer Kunden ausschließlich an ökologisch und sozial verantwortungsbewusste Unternehmen ausliehen. Darüber hinaus begannen die Bürger, selber erste nachhaltige Geldanlagen anzubieten (Bürgerbeteiligungen): Als Alternative zur Atomkraft installierten Bürgerinitiativen in den 80er Jahren erste Windkraftanlagen, die meist in Form von Unternehmensbeteiligungen [Link: Glossar] finanziert wurden. Eine Anlageklasse, die vor dem Hintergrund der heutigen Energiewende eine neue Blüte erlebt und heute Solarenergie, Bioenergie, Wasserkraft und nachhaltige Forstwirtschaft umfasst. 

Entwicklungspotenzial in Deutschland

Nachhaltige Geldanlagen gelten in Deutschland immer noch als ein Nischenprodukt. Und wen wundert’s? Das gesamte Sparkapital privater Haushalte in Deutschland umfasste im Jahr 2011 satte 4,57 Billionen Euro (4.579 Milliarden Euro). Davon wurden gerade einmal 57 Milliarden Euro nachhaltig investiert – wenig mehr als ein Prozent des gesamten Sparvermögens.

Ähnlich ernüchternd wirkt das Bild, wenn man den Blick auf die Anzahl der Girokonten richtet, die Anleger bei nachhaltig orientierten Banken [Link zu Kap. Banken] eröffnet haben: Lediglich 80.106 Anlegerinnen und Anleger verfügen über ein Girokonto, auf dem ihr Geld nachhaltig wirtschaftet (Quelle: Forum Nachhaltige Geldanlagen: Marktberichte Nachhaltige Geldanlagen 2011). 

Hat diese Art von Geldanlage überhaupt das Potenzial, sich in die Breite zu entwickeln? 

Ja – denn der nachhaltige Finanzsektor in Deutschland legt seit Jahren ein sehr dynamisches Wachstum vor, während der herkömmliche Finanzsektor im Schrumpfen begriffen ist. 

Mehr noch: In vielen europäischen Ländern hat die nachhaltige Geldanlage bereits einen Großteil der Anlegerinnen und Anleger überzeugt. In Belgien erreichten nachhaltige Kapitalanlagen 2010 bereits einen Marktanteil von 20 Prozent, in den Niederlanden sogar fast 40 Prozent (Quelle: oekom Corporate Responsibility Review 2010). 

Ein Wachstumstreiber nachhaltiger Geldanlagen ist sicherlich der allgemeine Trend  zu einem nachhaltigen Lebensstil. Doch gerade bei den großen Investoren spielen harte wirtschaftliche Überlegungen die Hauptrolle.