10 Fragen vor der Geldanlage

Geld anzulegen ist nicht nur ein ökonomisches sondern auch ein zutiefst emotionales, politisches und sogar Identität stiftendes Tun. Daher ist es sinnvoll und wichtig, vor der Anlage die eigenen Beweggründe und Ziele genau zu analysieren.

Wir geben Ihnen hier zum Download 10 kompakte Denkstützen an die Hand, die Ihnen im Dschungel der heutigen Finanzprodukte verlässlich Orientierung geben. Die "10 Fragen der Geldanlage" wurden Anlegern und Anlegerinnen sowie Fachleuten aus dem Netzwerk von Geld mit Sinn entwickelt und reichen von praktischen bis zu ethisch-ökologischen Fragestellungen in der Geldanlage. Sie sind auf alle Produktgruppen anwendbar. 

Zum Download der 10 Denkstützen

 

 

Hilton Talk: Geld mit Sinn als Zukunftsvision

Das schreiben die Veranstalter: "Unser Geldsystem wird von vielen Experten als „tickende Zeitbombe“betrachtet. Die Banken stecken in der Krise, die Skepsis gegenüber demEuro nimmt zu, Länder wie Griechenland, Portugal oder Italien sindhochverschuldet. Manch einer sieht den Kollaps des Finanzsystems auchauf Deutschland zukommen. Wie lange geht das noch gut? Hat gar unserFinanzsystem ein Verfallsdatum? Höchste Zeit, sich mit möglichen Alternativenzu beschäftigen: In Deutschland haben sich bereits erfolgreichmehrere Regionalwährungen als alternative Geldsysteme etabliert, diedabei auch noch zur Identifikation mit dem eigenen Landkreis beitragen. Mit unseren Gästen diskutieren wir über neue Finanzmodelle, sprechenüber den Ist-Zustand, Prognosen und Alternativen." 

Inhalte: Wirtschaftsmodells Gradido sowie der Systemanalytiker und Autor Rico Albrecht von der Wissensmanufaktur, einem Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsforschung. Eine Übersicht der Referenten finden Sie auf der Homepage von Märzheuser PR. Im Video spricht "Geld mit Sinn"-Gründerin Birte Pampel beim 21. Hilton Talk über Imageprobleme im Bankensektor, die Bedürfnisse moderner Anlegerinnen und Anleger und den Wachstumsmarkt für nachhaltige Investments. Veröffentlichung des Mitschnitts mit freundlicher Genehmigung des Veranstalters, Märzheuser Kommunikation.

Eine Videoaufnahme der Talkrunde ist hier auffindbar.

Ein Engel im Portemonnaie

Besinnliches zum Neuen Jahr von Birte Pampel, Mitgründerin von GELD mit Sinn!

Engel fühlen sich auch in ganz normalen Geldbeuteln wohl.

Kitsch hat in meinem Leben keinen Platz. Sie werden an meinen Wänden keine röhrenden Hirsche finden und an meinem Handy keinen Hello Kitty-Anhänger entdecken. Aber ich muss Ihnen etwas gestehen, das nicht so ganz in dieses nüchterne Bild passt: Ich habe einen Schutzengel im Geldbeutel. Dieser Vertreter der Spezies Himmelsgeschöpfe ist ungefähr zwei Zentimeter groß, hat Flügel, die fast bis zum Boden reichen und sein Profil ist auf einer silbernen Münze eingeprägt. Ich trage diese Münze seit vielen Jahren in meinen Geldbeutel. Zwei weitere Exemplare befinden sich im Besitz von zwei Freundinnen. Unsere Geschichte ist eng verwoben mit den Ereignissen, die zu dieser Initiative geführt haben.

Wir waren drei Frauen ungefähr im gleichen Alter und wir hatten viel gemeinsam: Wir lebten in den neunziger Jahren in New York City. Wir waren „Ex-Pats“, im amerikanischen Ausland tätige Auswanderinnen. Wir arbeiteten in der Verlagsbranche und hatten unseren Arbeitsplatz im Herzen von Manhattan, dort, wo es schön lebendig und bunt zugeht.

Geld war in dieser Zeit immer und überall ein Thema. Denn als Angehörige der Verlagsbranche verdienten wir für New Yorker Verhältnisse relativ wenig -- in einer Stadt, die fürs Geldausgeben gemacht ist! Zwar kostet ein Kaffee beim Straßenverkäufer nur 75 Cent, aber in der Zeit, in der man den Kaffee austrinkt, kann man theoretisch mehrere hundert Dollar ausgeben. Problemlos! Tolle Geschäfte an jeder Straßenecke, Restaurants zum Verlieben, Shoppingmalls am Sonntag: Da ist es im Prinzip völlig egal, wie viel Geld man verdient. Denn alle, auch die Besser- und Bestverdienenden, haben nie genug. Und alle reden, klagen und diskutieren öffentlich über Geld.

Manche beließen es nicht beim Diskutieren: Da war die Kollegin in der Bildagentur, die heimlich auf der Seite Fotos verkaufte, um sich ihre teure Garderobe zu finanzieren. Oder die aus der ehemaligen Sowjetunion emigrierte Autorin, die einer Shopping-Obsession erlegen war und noch Jahre später mit der Abzahlung ihrer Schulden kämpfte. Die Vertriebschefin, die ihre gesamte Sippe in Finanzdingen beriet und mit großem Erfolg „nest eggs“ (liebevoller Ausdruck für „Geldpolster“) ansparte. Oder die Studentin, die von Kreditkartenunternehmen umkreist wurde wie eine überreife Honigwabe.

Wir saugten diese Geschichten teils mit Neugier, teils mit der Erschütterung von Europäern auf, die es nicht gewohnt sind, derart offen und unbefangen über Geld zu reden. Gold verkleidete Trump Tower und Luxus-Limousinen mögen ja gehen, aber die eigenen Schulden, Geldsorgen und ruinösen Gewohnheiten zu diskutieren? Das fühlte sich irgendwie unfein und peinlich an.

Über die Jahre veränderte sich mein Verhältnis zu Gelddingen. Ein Auslöser war mein erster Arbeitgeber, ein Verleger, der alternative Finanzratgeber herausgab. Bei diesen Büchern ging es nicht um ökologische Themen (davon konnte in den 90er Jahren in New York City noch keine Rede sein), sondern um einen ganzheitlichen Umgang mit Geld, der in psychologischen, kulturellen und spirituellen Erkenntnissen wurzelte. Die Autorinnen und Autoren hinterfragten die psychologischen Mechanismen der Schuldenspirale und dem Wunsch nach finanzieller Sicherheit. Sie analysierten die uralten Mythen, die unser Finanzverhalten bis in die heutige Zeit beeinflussen, und diskutierten leidenschaftlich über die gesellschaftliche Verantwortung von altem und neuem Geld in den USA. Die Vielfalt der Perspektiven und Fragestellungen war faszinierend! Und je mehr ich von diesen Menschen las, desto mehr lud sich das Thema Geld für mich mit Sinn auf.

Dann kam 9/11 und der poltisiche und finanzielle Herzschlag der USA setzte für lange Zeit aus. Wer nicht als Feuerwehrmann arbeitete oder Schutt wegräumte, fühlte sich hilf- und nutzlos. Niemand konnte sich vorstellen, dass diese sinnentleerende Katastrophe eines Tages etwas Positives hervorbringen würde. Doch 9/11 hat, wenn auch im Kleinen, etwas im Bewusstsein der Menschen verändert. In der Stadt der Karriere- und Geldsüchtigen fanden viele zu Werten zurück, die in dem wilden Erfolgskarroussel untergegangen waren. Freundschaft wurde wieder wichtig. Familie. Die Blumen am Wegesrand. Manch Börsenmakler und manche Investmentbankerin hat in dieser Zeit gelernt, dass „reich“ auch eine Form der Lebensfülle sein kann, die nicht käuflich ist.

Wir drei blieben noch mehrere Jahre nach der Katastrophe in New York City und erlebten, wie die Stadt wieder auf die Füße kam. Dann beschloss die erste von uns, dass es Zeit war, in die alte Heimat zurückzukehren. Noch ein paar Mal trafen wir uns zu dritt, um gemeinsam durch unsere Lieblingsviertel zu streifend und über unsere Zukunft zu spekulieren. An einem dieser Tage habe ich die Silbermünzen entdeckt, in einem kleinen Laden an der 86sten Straße.

Ja, der Geldengel ist ein bisschen kitschig. Aber er ist auch ein Symbol für etwas, das unser Leben auf eine tiefe und geheimnisvolle Art berührt – eine Währung, die uns im Überfluss zur Verfügung steht.

Verraten Sie uns, was Sie in Ihrem Geldbeutel tragen?

Herzliche Grüße,

Ihre
Birte Pampel

 

 

Trend zu ethischen Geldanlagen stärkt Oikocredit

Genossenschaft finanziert weltweit Entwicklungsprojekte

Über 21.700 Menschen und Institutionen aus Deutschland investierten im Jahr 2013 bei Oikocredit. Mit einem Netto-Kapitalzufluss von 42 Millionen Euro erreichte das Anlagekapital der deutschen Oikocredit-Förderkreise Ende 2013 299 Millionen Euro..
 
Dank dieser guten Entwicklungen konnte Oikocredit im Jahr 2013 die Finanzierungen ihrer Partnerorganisationen in Entwicklungs- und Schwellenländern um 11 Prozent auf 591 Millionen Euro steigern. Oikocredit vergibt Darlehen und Kapitalbeteiligungen dort, wo sie besonders hohe soziale und entwicklungsfördernde Wirkungen entfalten, also an Organisationen in Regionen wie Afrika und in Bereichen wie Mikrofinanz und Landwirtschaft.

Drei Millionen Euro für Beratung von Partnern

Das Ziel, Entwicklung zu fördern, verfolgt Oikocredit nicht nur mit Finanzierungen. Denn oft reicht Geld allein nicht aus. Daher hat Oikocredit 2013 zusätzlich rund 3 Millionen Euro bereitgestellt für Weiterbildungen, Organisations- und Personalentwicklung und andere Maßnahmen bei den Partnerorganisationen.

Ausblick: stärkeres Engagement in ländlichen Regionen

Besonders das Engagement in ländlichen Regionen der Entwicklungsländer will Oikocredit weiter intensivieren. Denn dort lebt weltweit die größte Zahl von Menschen in Armut. 2014 sollen allein 27 Millionen Euro neuer Darlehen im Bereich Landwirtschaft vergeben werden – mit einem Schwerpunkt auf kleinbäuerlichen Genossenschaften und ländlichen Wertschöpfungsketten.

Ein Beispiel aus Afrika

Ein Beispiel für einen solchen Aufbau einer Wertschöpfungskette ist die Zusammenarbeit von Oikocredit und der kenianischen Mikrofinanzorganisation Molyn Credit. Oikocredit beriet Molyn Credit dabei, passende Angebote für die Landbevölkerung zu entwickeln. Nach einer Befragung von Kleinbauernfamilien legte Molyn Credit in einer Pilotregion ein Programm zum Aufbau einer Milchwirtschaft auf. Das geht weit über übliche Mikrokredite hinaus: Als Kredit bekommen die Kleinbauernfamilien eine Milchkuh, aber auch Schulungen und laufende Beratung. Parallel wurde die Infrastruktur aufgebaut: Ein neues Vermarktungszentrum organisiert nicht nur den Vertrieb der Milch, sondern bietet auch Futter, Medikamente, Versicherungen und tierärztliche Betreuung. Bislang beteiligen sich bereits 700 Kleinbäuerinnen und -bauern. Sie konnten ihr Einkommen verbessern und neue Arbeitsplätze in der Milchproduktion schaffen.

Kurzinfo: Oikocredit

Die internationale Genossenschaft Oikocredit ist ein Pionier der nachhaltigen Geldanlage. Menschen und Organisationen aus Deutschland, die sozial verantwortlich investieren wollen, legen über die acht deutschen Oikocredit-Förderkreise Geld bei Oikocredit an.
Oikocredit vergibt Kredite und Kapitalbeteiligungen an Mikrofinanzinstitutionen, Genossenschaften und andere sozial orientierte Unternehmen in Entwicklungsländern. Diese Partner schaffen Arbeitsplätze, fördern Entwicklung und eröffnen Menschen Chancen auf wirtschaftliche Eigenständigkeit. Seit der Gründung im Jahr 1975 ist Oikocredit mit diesem Konzept zu einem der weltweit führenden Entwicklungsfinanzierer geworden.

Weiteren Informationen erhalten Sie auf  www.oikocredit.de

In Peru haben Schüler eine Bank gegründet

Die meisten Familien von Piura, einer Region im Westen von Peru, müssen stark haushalten. An Geld für eine gute Ausbildung ihrer Kinder ist nicht zu denken. Nun haben Kinder in 65 Schulen einen Weg gefunden, wie sie ihre Zukunft finanziell verbessern können. Dank einer Aktion vom Kinderhilfswerk Plan lernen die Schüler und Schülerinnen, ihr geringes Taschengeld so lange anzusparen, dass gemeinsame Anschaffungen möglich werden. Mehr noch, die Kinder haben eine Bank gegründet und investieren ihr Erspartes in kleine Geschäfte -- wie z.B. den Verkauf von Marmelade oder selbst genähten Stofftieren. In der Zeit vom 8. November 2012 erschien ein Beitrag, der diese faszinierende Entwicklung dokumentiert. Ein bewegender Beitrag, der Hoffnung weckt!

Birte Pampel, Geld mit Sinn! 

Gutes Geld

Sylke Schröder war Sekretärin bei einer Volksbank in Thüringen. Dann hatte sie eine Idee. Heute hat ihre Ethikbank die Mutterfirma überholt.



Von Charlotte Theile



Grau und etwas verlassen wirkt Eisenberg. Dass hier, in dieser ostthüringischen 11.000-Einwohner-Stadt, ein Kapitel moderner Wirtschaftsgeschichte geschrieben wurde, ist nicht zu vermuten. 1999 wurde die Bahnverbindung stillgelegt, die Arbeitslosigkeit ist hoch, der Altersdurchschnitt steigt. Doch da gibt es ein besonderes Geldinstitut, eine Ethikbank. Sylke Schröder, die Chefin, führt zum Gespräch in einen kleinen Besprechungsraum, alles frisch renoviert. Helles Holz, viel Licht, ein Werbeplakat. Der schlichte Auftritt zeigt: Mehr braucht es nicht. "Dass die Ethikbank gerade in Eisenberg gegründet wurde, hat eigentlich nur einen Grund: Wir waren eben hier", erzählt Sylke Schröder.
Kurz nach der Wende hatte die heute 46-Jährige als Sekretärin bei der Volksbank Eisenberg angefangen und sich schnell ins Thema Soziale Verantwortung eingearbeitet. So konnten die Kunden mit einem Teil ihrer Zinsen den Bau eines Kinderheims in Bulgarien unterstützen. Diese Seite des Bankgeschäfts gefiel Schröder, die in der Zwischenzeit zur Bankkauffrau und Bankbetriebswirtin ausgebildet wurde und zur Prokuristin aufgestiegen war. Sie wollte es nicht bei Einzelprojekten belassen.



Kriegswaffen und Atomkraft sind tabu



Wer es wirklich ernst meine mit der sozialen Verantwortung, müsse den gesamten Betrieb nach ethischen Kriterien ausrichten, findet sie. Kriegswaffen, Atomkraft, Kinderarbeit sollten tabu sein. Bei Klaus Euler, dem Vorstandschef der Eisenberger Volksbank, stieß die Bankerin auf Gehör. Nach Feierabend diskutierten die beiden, wie das Geschäft mit dem Geld neu auszurichten sei. Vorbilder für derartige "Gutbanken" gab es schon. Die GLS Bank aus Bochum wurde 1974 gegründet. Warum sollte nun eine kleine Ost-Volksbank in das schwierige Geschäft einsteigen? Aus politischer Überzeugung, das Richtige zu tun, sagt Schröder.
Nachdem sie Euler für ihre Idee begeistert hatte, überzeugten die beiden gemeinsam den Aufsichtsrat. Das Gremium "hat uns machen lassen. So riskant war das Ganze nun auch nicht", erinnert sich Schröder. 2002 startete die Ethikbank, als Tochter der Volksbank Eisenberg, ihre Geschäfte. Von Anfang an war klar, dass die Ethikbank online als Direktbank funktionieren und Kunden in ganz Deutschland ansprechen sollte - den lokalen Markt bediente ja bereits die Eisenberger Volksbank.



500 neue Konten jeden Monat



Zehn Jahre später hat die Ethikbank das Mutterhaus überholt. Sie ist zu einer etablierten Größe auf dem - immer noch kleinen - Markt der ethisch ausgerichteten Banken geworden. 16.600 Konten führt die Bank im Moment, 500 neue Konten werden jeden Monat eröffnet. Das Geschäftsvolumen: 135 Millionen Euro. Mit diesem Geld unterstützt die Ethikbank ökologische Projekte sowie Firmen, die den Tabu-Kriterien genügen und sich aktiv für die Gesellschaft engagieren, aber auch Insolvenzschuldner, die sonst kaum eine zweite Chance bekommen. Eine großartige Rendite können die Anleger nicht erwarten - 0,5 Prozent Zinsen erhalten sie derzeit aufs Tagesgeld, bei der Konkurrenz gibt es mehr als das Dreifache. Seit ein paar Monaten hat die Ethikbank eine Presse-Beauftragte, auch sie ist aus Überzeugung dabei. "Ruinösen Preiskampf lehnen wir ab", kommentiert sie die Zahlen, auch die Zinsen seien "marktüblich" und, vor allem, "sicher".



Erfolg in der Krise



Im Vergleich zur Deutschen Bank, die 2011 eine Bilanzsumme von 2164 Milliarden Euro hatte, wirkt all das sehr klein. Und doch geht das Wachstum in Eisenberg manchem fast zu schnell. Nancy Ahlendorf arbeitet seit 2005 für die Eisenberger Volksbank, inzwischen verantwortet die heute 25-Jährige den Kundenservice der Ethikbank. Allein 2011 stieg die Zahl der Konteneröffnungen um 37 Prozent, "das ist natürlich auch mal stressig", räumt die junge Frau ein. Doch die Arbeit macht ihr Spaß.
 Die Kunden, das sind vor allem Großstädter wie Caspar Hübinger aus Potsdam. Der Web-Designer ist seit einigen Monaten Ethikbank-Kunde. Die handgeschriebene Begrüßungspostkarte sei "so toll und persönlich" gewesen, dass er nun im Bekanntenkreis Werbung für die Bank mache, erzählt er. Lange hatte Hübinger darüber sinniert, dass er mit seinem Geld auch Kriege unterstütze, Atomkraft oder
Tierversuche. Das wollte er ändern. Die Homepage der Eisenberger überzeugte ihn. Dort ist aufgelistet, wo die Bank investiert und wo nicht. Dass hinter der Ethikbank nur 14 Mitarbeiter stehen, ist überraschend. Die Organisationsleistung sei möglich, weil es kurze Wege, flache Hierarchien und klare Ansagen gebe, erklärt Chefin Schröder. Sie ist keine, die unnötig viele Worte macht. Doch was sie sagt, meint sie ernst.



"Wir wünschen uns eine andere Gesellschaftsordnung"



"Natürlich verfolgt die Ethikbank politische Ziele", holt Schröder zu einer ihrer seltenen längeren Erklärungen aus. Der Kapitalismus in seiner jetzigen Form führe auf den Holzweg, das sei jedem klar, der Karl Marx gelesen habe: "Wir wünschen uns eine andere Gesellschaftsordnung." Nachhaltiger solle sie sein, "die Ausbeutung des Südens durch den Norden, die immer größere Spreizung zwischen Arm und Reich, die Dominanz des Kapitals", all das gelte es zu bekämpfen. Die Bankkauffrau lebt auf. "Greenwashing" oder Geschäftemachen mit den Gewissenskonflikten überspannter
Großstädter, diesen Vorwurf will sie von vornherein entkräften. Ihr geht es um die Sache. Erst später spricht Schröder über sich selbst. Ihr erster Westkontakt, "die Frau, die uns damals das Begrüßungsgeld auszahlte", arbeitete bei einer Volksbank in Franken: "Im Nachhinein war diese Freundschaft wirklich so etwas wie ein Zeichen." Erst nach und nach begriff die junge Frau Anfang der 1990er Jahre, welche Chancen sich ergaben. Sie begann, sich zu bewerben, "einfach um mich auszuprobieren" - und landete schließlich in Eisenberg.



Auch die Ethikbank will Wachstum



2009 wurde Schröder in den Vorstand der Ethikbank berufen. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden Euler, der 1992 nur für drei Monate zur Sanierung der Volksbank von Hessen nach Thüringen gekommen war, dann hängen blieb und vor kurzem sein 20-jähriges Jubiläum feierte, repräsentiert sie die Bank. Privat lebt sie in Weimar, etwa 50 Kilometer von Eisenberg entfernt, und ist auf der Suche nach einem
historischen Haus mit "wildromantischem Garten". Das Haus werde ihr nächstes ökologisches Projekt.
Spätestens seit der Finanzkrise geht es mit der Ethikbank steil bergauf. Auch in der Euro-Krise sehen die Eisenberger gut aus - Griechenland, die USA und Spanien stehen auf dem Index, hier wurde nie investiert. Vorhersagen, wonach 2020 mehr als zehn Millionen Deutsche ihr Geld nach ethischen Kriterien anlegen könnten, hält Sylke Schröder für überzogen. Dennoch: Ziel der Bank ist es, 2012 um zwanzig Prozent zu wachsen. Und das erinnert an frühere Erwartungen der Großbanken.

(Das Interview erschien am 16.6.2012 in der Süddeutschen Zeitung; Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlags)

 

Geld macht Spaß! Oder: Alles begann mit einer Ente …

Geld und Spaß – wie soll das zusammengehen? Für viele Menschen sind das zwei unvereinbare Gegensätze! Geld ausgeben, das ja! Aber sich mit den eigenen Finanzangelegenheiten beschäftigen, nein Danke! Sparen: allein dieses Wort hat schon so einen negativen Beigeschmack, klingt nach Entbehrung, Mühsal..So denken allerdings nicht alle Menschen. Mir hat Geld schon als Kind „Spaß gemacht.“ Und diese Freude am Thema Finanzen hat später auch meine Studienwahl und meinen beruflichen Werdegang geprägt. Wie es dazu kam? Alles begann mit einer Ente …

Nämlich Dagobert Duck. Fast jeder kennt ihn, den Fantastilliardär aus Entenhausen. Mich faszinierte die Familie Duck mit ihren Geschichten vom ersten Tag an. Sprüche wie „Wenn ich weiter in dieser Geschwindigkeit Geld verliere, dann bin ich in 637 Jahren, sechs Monaten, drei Tagen und vier Stunden pleite!“ nahm ich beim Wort. Ich rechnete auf das Komma genau nach, wie viel Geld Dagobert Duck haben und verlieren würde, bis er pleite war. Auf jeden Fall unermesslich viel! Und was macht der Duck mit all dem schönen Geld? Er hortet es in seinem Geldspeicher, nimmt Geldbäder, juchzt „Ich werfe es in die Luft, damit es mir so richtig schön auf den Kopf prasselt!“. Als Achtjährige habe ich öfter alle meine gesparten Münzen genommen und wie mein Freund Dagobert einen Geldregen veranstaltet. Gut, es waren lange nicht so viele Taler, und ehrlich gesagt hat es ein bisschen weh getan – aber ich hatte auf jeden Fall keine Berührungsängste mit dem Thema Geld..

Das Gesetz „Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis“ lernt man während in jeder Einführungsvorlesung für Volkswirtschaft. Viel früher und viel verständlicher hat Dagobert es mir beigebracht: In einer seiner Geschichten geht es darum, wie er Donald um eine 50 Cent-Münze beneidet und alles daran setzt, seinen Unglücksneffen auszubooten, mit einem einfachen Trick: Dagobert sagt zu Donald, er halte die wertvollste Münze der Welt in der Hand. Donald ist verwundert, denn er sieht nur eine ganz gewöhnliche 50-Kreuzer-Münze eines bestimmten Jahrgangs vor sich. Bis Dagobert überall per Anzeige bekannt gibt, dass er alle existierenden 50-Kreuzer-Münzen dieses Jahrgangs aufkauft – zum doppelten Preis. Ein „Draufzahlgeschäft“, wie Donald meint, doch dann kippt sein reicher Onkel alle Münzen ins Meer – bis auf ein Exemplar, das nun die seltenste und teuerste Münze der Welt ist. Dumm nur, dass allein eine Person auf der Welt genug Geld hätte, um diese Münze zu kaufen …nämlich der reiche Erpel selbst!

Ähnlich wie Dagobert habe ich als Kind jedes Jahr von neuem meinen „Geldspeicher“, sprich mein Sparschwein gefüllt und begeistert den steigenden Pegelstand verfolgt. Einmal im Jahr ging es dann zur Sparkasse, denn auf dem Sparkonto brachte das Geld ja mehr Zinsen (und damit wieder mehr Geld) als im Sparschwein …. Aus dieser Zeit stammt übrigens auch eine Episode, die vermutlich einige sparbegeisterte Kinder mit mir teilen: Nach dem jährlichen Gang zur Bank wollte ich von meinem Vater wissen, woher denn die Sparkasse die Zinsen für mein Geld nehme. Die „kindgerechte“ Antwort meines Vaters lautete: Die Sparkasse arbeite mit meinem Geld. Ich war vor Empörung sprachlos. Die Sparkasse arbeitete mit meinem Geld? Wo bitte schön war es dann hingekommen? -- Am nächsten Tag stand ich mit meinem Vater in der Schalterhalle und forderte die Sparkassenangestellten auf, mir mein Geld zu zeigen. Der Bank-“Beamte“ machte bei dem Spaß mit und zeigte mir das Innere eines Tresors, in dem Bargeld lag. Dazu meinte er, wenn ich mein Geld nicht „arbeiten“ ließe, gäbe es auch keine Zinsen – Lektion gelernt.

Auch heute, knapp 40 Jahre später, nach einem BWL-Studium und mehr als 25 Jahren in der Finanzbranche, bin ich es nicht müde, mich auch privat mit Geld zu beschäftigen. Denn Geld haben, Geld vermehren, Geld mit Sinn anlegen und verstehen macht (mir) Spaß. Aber glauben Sie nicht, ich sei so ein Geizkragen wie Dagobert Duck. „Wozu habe ich denn das ganze Geld, wenn ich es nicht ausgeben kann?“ -- das fragt sich auch der Welt reichste Ente gelegentlich. Nein, Geld per se ist nicht erstrebenswert, aber immer ausreichend Geld zu haben, um sich die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen – das ist erstrebenswert! Für Dagobert ist es das Bad im Geld, für mich die ein oder andere Reise, ein schönes Paar Schuhe, das Gefühl der finanziellen Unabhängigkeit. Auf jeden Fall hat die Begegnung mit Dagobert Duck mein Leben tief geprägt: Wer weiß, ob ich ohne ihn heute nicht einen ganz anderen Beruf hätte? Und vermutlich viel weniger Geld, denn ich würde mich nicht so gern damit beschäftigen, hätte weniger Überblick in Finanzfragen, und würde viele Chancen in der Geldanlage verpassen. Danke, Dagobert!

Autorin: Anette Rehm