Ökofaire Versicherungen

Eine Frau gründet die erste ökofaire Versicherung in Deutschland. Wie macht sie das?  

Im Gespräch mit Dr. Marie-Luise Meinhold, ver.de für nachhaltige Entwicklung e.G. 

Wie kommt man denn auf die Idee, einfach mal eine nachhaltige Versicherung zu gründen? 

Eine muss es ja machen :-)

Spaß beiseite, das war ein längerer Weg. Angefangen hat es mit politisch engagierten Lehrern, wachrüttelnden Journalisten, die gesellschaftliche und Umweltprobleme benannten und einem Studium der Naturwissenschaften. Das Studium hat mich die Zusammenhänge tiefer begreifen ließen und dazu geführt, dass ich nie an der Realität des Klimawandels gezweifelt habe. In mir ist der Wunsch entstanden, etwas zu tun, und zwar nicht privat, nicht im Ehrenamt, sondern beruflich, jeden Tag, jede Woche. Aber was? Im Labor irgendetwas untersuchen, was letztlich niemanden interessiert und in der Schublade versinkt? 1992 prägten die Vereinten Nationen bereits den Begriff der Nachhaltigen Entwicklung, der besagt, dass Ökologie, Ökonomie und Soziales gleichermaßen zusammen gehören. So kam ich zu den Wirtschaftswissenschaften, da schien mir mehr Umsetzung möglich zu sein. Durch eine positive Erfahrung im Zusammenhang mit der Sanierung von Altlasten kam ich zur Versicherungsbranche. Eine Hausarbeit zum Thema „Wie können Versicherungen zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen?“ brachte den Durchbruch: das war es! Das will ich!

 

Und wie kommt man dann auch noch auf die verrückte Idee, genau das tatsächlich auch zu tun?

Zuerst habe ich es innerhalb der Branche versucht, ich war in Arbeitskreisen des GDV zum Thema Klimawandel und habe auch bei meinem Ex-Arbeitgeber viel angeschoben. Letztlich wurde ich aber „ausgebremst“, so habe ich das erlebt. Daraufhin habe ich meinen Ex-Arbeitgeber verlassen. In meinem Zeugnis steht sinngemäß, „sie erhofft sich mehr Erfolg für die Umsetzung ihrer Ideen außerhalb der Firma“. Mit dem neu gewonnenen Freiraum konnte ich dann die Gründung vorantreiben.

 

Was genau ist dabei das Besondere - dass Du dafür extra eine eigene Versicherung gründest?

Besonders ist, dass für nachhaltige Entwicklung ja stets Ökologie, Ökonomie und Soziales gleichermaßen berücksichtigt werden wollen. In den 80er Jahren wurde das aber fast ausschließlich als Widerspruch gesehen. Tatsächlich finde ich es auch heute noch schwer, aus so tollen Ansätzen wie von „Mutter Theresa“ beispielsweise oder „Greenpeace“ ein Geschäftsmodell zu machen. Also an diese Aktivitäten eine wirtschaftliche Logik anzuhängen. Viel einfacher ist es doch, beim Geld anzufangen und dort systematisch auf ökologische und soziale Aspekte zu achten, die damit verbunden sind. Und da Versicherungen „Geldspeicher“ sind, sind sie ein machtvolles Instrument. Diese Erkenntnis ist so besonders, dass mir dafür „kein Weg zu weit“ ist :-) Auch habe ich noch kein machtvolleres Instrument gefunden.

 

Es war ja bestimmt nicht leicht…Was hat Dich immer wieder angetrieben, motiviert und voran gebracht?

Ich wollte immer arbeiten, und zwar in Vollzeit, bisher habe ich das auch fast durchgängig realisiert. Meine Mutter war mit ihrem „Hausfrauen-Status“, der damals sehr verbreitet war, nicht zufrieden. Seit meiner Schulzeit wollte ich nicht einfach nur arbeiten und Geld verdienen, ich wollte immer mit meiner Arbeit etwas bewegen. Das ist eine sehr luxuriöse Einstellung, ich weiß. Heute ist es ja sehr modern geworden, Sinn in seiner Arbeit zu suchen, wie das Heft „enorm“ und andere Medien ja immer wieder darlegen. Dieser Sinn, dieses große Potential, hat mich immer wieder angetrieben, motiviert und vorangebracht.

 

Was waren die größten Hürden, die Dir dabei begegnet sind?

Am Anfang war es das Ringen um die Zulassung: Der Prozess bei der BaFin hat mich alleine 1,5 Jahre gekostet, bis ich ein Schreiben in den Händen hielt, dass die Zulassungsfähigkeit des Geschäftsmodells bescheinigt. Es fehlte „nur noch“ das Kapital. Das hatte ich mir erheblich leichter vorgestellt, mit diesem Schreiben. Doch trotz des Schreibens und der Zulassung des Modells in Aussicht ist es schwer, Investoren zu finden. Für viele Investoren sind Versicherungen ein Buch mit sieben Siegeln, damit wollen sie sich nicht befassen. Wenn doch, dann fragen sie „Wo sind denn die Bilanzen der letzten drei Jahre?“, neudeutsch heißt das „Track Record“. Die haben wir nicht, weil wir keine Versicherung verkaufen dürfen ohne Zulassung. Heutzutage ist es einfacher geworden, weil „Fintechs“ und Insurtechs“, also Start-Ups im Finanzsektor, gerade hipp sind. Aber hier nimmt man uns und mir die digitale Komponente nicht ab. Versicherungen sind aber „schon immer“ digital. Insurech-Investoren suchen echte Programmierer. Unternehmerinnen, die einfach eine Standard-Software einkaufen und die Benutzeroberfläche konfigurieren, sind ihnen zu wenig.

Und schließlich, ja, das Frauen-Thema und das Nachhaltigkeits-Thema: Investoren investieren gerne in Gründer, und das sind doch fast immer Männer, oder nicht? Und Nachhaltigkeit, ist das nicht die „Lizenz, um Geld zu verlieren“? Dieser Idealismus, den ich habe, der mich antreibt und auf den ich stolz bin, im vollen Bewusstsein, dass ich mir den auch leisten kann, der kommt bei klassischen Investoren negativ an. Sie wollen lieber hören, dass die Gründer „sich aufs Geschäft konzentrieren“.

 

Was waren für Dich die größten Überraschungen?

Eine tolle Überraschung war, dass unser Ankerinvestor dennoch in uns investieren will. Ich hoffe, dass diese Absicht immer noch steht :-)

 

Was sind Deine persönlich größten Erfolge bis hierher?

Einige Versicherungsunternehmen, bei denen ich das Modell vorgestellt habe, haben zwar nicht investiert, sich aber dennoch bewegt. Offenbar habe ich sie aufgeschreckt, dass ich da was machen will, und sie haben das zum Anlass genommen, selbst mal was zu machen. Das sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge – ich freue mich, dass sich etwas rührt, wenn auch viel zu zaghaft für meinen Geschmack und nur am Rande. Andererseits bin ich traurig und fühle mich im Nachhinein „ausgehorcht“. Ich würde gerne wissen, wie vielen Start-ups auf der Suche nach Kapital es so geht, dass sie Teile ihrer Ideen und Ansätze bei potentiellen Ex-Investoren umgesetzt sehen.

 

Welche Art der Unterstützung kannst Du brauchen oder würdest Du Dir wünschen?

Sollte es nachhaltigkeitsorientierte Investoren geben, die nicht mehr immer nur in Kindergärten und Solaranlagen investieren wollen, die mit uns an der Wurzel des Kapitalismus was machen wollen, nämlich beim Kapital, bei Versicherungen als Kapitalsammelstellen, so würde ich mich über einen Kontakt sehr freuen.

 

Wie können wir von Geld mit Sinn e.V. Dich unterstützen? 

Wir haben gerade eine Crowdfunding-Kampagne, um Geld einzusammeln und um auf uns aufmerksam zu machen. Wenn ihr die streuen oder „teilen“ könntet, freue ich mich sehr.

Interview: Nicole Rupp, Geldbeziehung.de

 

Über das Crowdfunding-Projekt von ver.de: www.startnext.de/ver-de  

 

 

Finanzmarkt im Wandel: Sinnvolle Innovationen

5 Fragen an Daniel Schönwitz, Wirtschaftsjournalist

Kürzlich hatten wir Gelegenheit, mit dem Wirtschaftsjournalisten Daniel Schönwitz zu sprechen. Der Finanzfachmann schreibt über nachhaltige Investments, die Digitalisierung, Corporate Governance und andere Entwicklungen, die Privatanleger heute betreffen (u.a. für die Wirtschaftswoche, ZEIT, Manager Magazin und impulse). 

1. Wirkung von Geldanlagen: Bei vielen nachhaltigen Investments geht es darum, mit dem Ersparten eine positive Wirkung zu erzielen. Welches Wirkungsfeld sollten wir uns in Zukunft genauer anschauen?

Die Überprüfung von Lieferketten bei großen Konzernen. Viele unserer Güter werden ja in Entwicklungsländern produziert, wo die Menschen ganz andere Probleme haben als hier. Und viele Anbieter nachhaltiger Fonds drängen Konzerne, sehr genau zu überprüfen, welche Bedingungen bei ihren Zulieferern herrschen. Hier haben Anleger die Möglichkeit, dazu beizutragen, dass Unternehmen sich verändern und vor allem auch Veränderungen in Entwicklungsländern anschieben.

2. Sinnvolle Innovationen im Finanzmarkt: Wenn Sie sich eine Innovation wünschen könnten, was wäre das?

Dass Banken ihre Vertriebsmitarbeiter besser schulen, auch in Bezug auf nachhaltige Investments. Aus Verkäufern müssen wieder echte Berater werden.  

3. Unterschätzte Innovationen: Was ist in Ihren Augen die am Meisten unterschätze Innovation, die Privatanlegern nutzt?

Online-Plattformen, auf denen Anleger über ETFs automatisiert und breit gestreut in den Aktienmarkt investieren können, und das zu sehr geringen Kosten. Weil bei ETFs meist keine Provisionen gezahlt werden, entfällt der übliche Interessenkonflikt zwischen Kunden und Bank. Ich glaube, dass daraus schon bald ein echter Trend wird.

4. Changemaker im Finanzmarkt: Wer sind die Persönlichkeiten, die unseren Finanzmarkt in Zukunft positiv verändern werden?

Für mich sind das zum Beispiel die Führungskräfte nachhaltiger Banken wie Thomas Jorberg von der GLS Bank und Georg Schürmann von der Triodos Bank. Auch aktive Investoren wie Hans-Christoph Hirt von Hermes und Ingo Speich von Union Investment zählen dazu, weil sie sehr deutlich die Interessen der Aktionäre artikulieren – zum Beispiel auf Hauptversammlungen – und die Unternehmenschefs zu nachhaltigeren Strategien drängen.  

5. Bücher, die uns weiterbringen: Welches Buch steht aktuell auf Ihrer Empfehlungsliste ganz oben? 

Intelligent wachsen: Die grüne Revolution, vom früheren Grünen-Politiker Ralf Fücks, heute im Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung 

Wir danken für das Gespräch!

>> Zur Webseite von Daniel Schönwitz

 

Die aufmüpfige Bankerin

Interview mit Heidi Geisler

Banken sind keine Blackbox, in der »etwas mit meinem Geld passiert«. Für Heidi Geisler sind sie der Hebel für den Schutz der Umwelt und für den Aufbau einer nachhaltigen Wirtschaft. Die 31-Jährige gründete 2010 gemeinsam mit einer Gruppe von Anlegerinnen und Anlegern »Geld mit Sinn! e.V«., eine nachhaltige, von der UNESCO ausgezeichnete Finanzinitiative. Ihr Ziel: Dass Anleger bewusst entscheiden, was sie mit ihrer Geldanlage fördern wollen -- und was nicht. Das folgende Interview mit Heidi Geisler führte Jan Egel, Chefredakteur von "eve" Magazin. 

Frau Geisler, wir schlendern gerade durch das Bankenviertel Frankfurts, mindestens 25 Großbanken um uns herum: Deutsche Bank, Commerzbank, UBS, Bank of China. Spüren Sie die Macht des Geldes?

Die Macht ist deutlich zu spüren. Und vor allem sind viele hoch motivierte und qualifizierte Menschen zu sehen. Wenn all diese Menschen ihre Energie in den Umbau der Banken und den Aufbau eines nachhaltigen Finanzsystems investieren würden, stünde  uns eine rosige Zukunft bevor.

»Leistung aus Leidenschaft« – so wirbt die Deutsche Bank für sich. Oder Leistung, die Leiden schafft? Was werfen Sie den Großbanken vor? 

Zweierlei: zum einen den verantwortungslosen Umgang mit dem Geld ihrer Kunden. Der Profit steht an erster, zweiter und dritter Stelle. Es ist vollkommen egal, in was das Geld investiert wird, ob in Atomenergie, die Herstellung von Streubomben, Nahrungsmittelspekulationen, Unternehmen, welche massiv gegen Menschenrechte verstoßen oder ganze Landstriche für Jahrhunderte verwüsten. Zum anderen werfe ich ihnen die schlechte Beratung vor. Während die Berater darauf gedrillt werden, margenintensive Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen, vertrauen ihnen noch viele Kunden wie blind. Der Kunde und dessen Bedarf sollte an erster Stelle stehen – nicht das Erreichen von Vertriebszielen.

Moment, die denken doch gerade um. »Ich möchte so beraten, dass ich meinen Kunden auch nach Jahren noch in die Augen schauen kann.« Das sagen nicht Sie, sondern eine 28-jährige Vera Block, Beraterin Privatkunden, die die Deutsche Bank aktuell auf ihrer Homepage für sich werben lässt. Augenwischerei oder Kurswechsel bei einem Großen?

(schmunzelt) Und darf sie? Ich bezweifle das stark! Wenn Frau Block wirklich unabhängig, bedarfsgerecht und nachhaltig beraten möchte, kann sie sich sehr gerne bei mir melden und ich stelle ihr den Kontakt zu ein paar nachhaltigen Banken her. Ich hoffe sehr, dass ich in ein paar Jahren auf diese Frage anders antworten kann.

Was sind denn die entscheidenden Dinge, die die Banken ihrer Meinung nach sofort ändern müssten, was mittelfristig?

An erster Stelle muss wieder eine ganzheitliche und bedarfsgerechte Beratung des Kunden stehen. Dazu zählt auch, dass der Kunde das Produkt, in das er investiert, versteht, weiß, welche Kosten damit verbunden sind und in welche Bereiche das Geld investiert wird. Zudem sollten alle Banken klare Investitionskriterien definieren, sie konsequent einhalten und veröffentlichen. Beispielsweise: »Wir finanzieren keine Unternehmen, die Streubomben herstellen.« Mittelfristig brauchen wir eine Führungsriege in den Banken, die bei ihren Entscheidungen nicht nur den Gewinn, sondern auch die sozialen, ökologischen und ethischen Auswirkungen berücksichtigt.

Zur aktuellen Euro-/EU-Bankenkrise: Die Rettungskonzepte folgen dem alten Muster – Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Verluste. Bleibt der Steuerzahler der Dumme?

Nicht nur der. Auch der Sparer aus der Mittelschicht mit seinen Sparbüchern und Lebensversicherungen trägt schon heute durch das politisch gedrückte Zinsniveau, das seit einiger Zeit unter der Inflationsrate liegt, seinen Teil zur Rettung bei. Hier findet eine gigantische Umverteilung von den kleinen Leuten zu den richtig wohlhabenden statt.

Jeder fünfte Steuer-Euro ging schon 2010 für Schuldzinsen drauf, rund 38,2 Milliarden Euro. Glauben Sie noch daran, dass der Staat seine Aufgaben zukünftig weiterhin wahrnehmen kann? 

Was genau sind denn die Aufgaben des Staates? Bereits seit den Siebzigern konnte der Staat seine übernommenen Aufgaben nur noch durch eine exzessive Neuverschuldung, also auf Kosten der nächsten Generation, erfüllen. Und solange sich die Regierung immer neue Ausgabenquellen überlegt, beispielsweise Betreuungsgeld, wird die Schuldenlast nicht kleiner. Hier bräuchten wir mal eine Grundsatzdiskussion, welche Aufgaben der Staat zu erfüllen hat, und es wäre sehr wünschenswert, dass Politiker auch an die noch nicht geborenen Wähler denken.


2000 gab es die Internet-/Börsenkrise, 2008 die Bankenkrise, die sich schnell zu einer Weltwirtschaftskrise auswuchs. Jetzt die Euro-Bankenkrise. Eine Krise folgt der anderen 

...Schauen wir mal, wie viele Krisen wir noch brauchen, um wieder zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Geld zu kommen. Hoffen wir, dass es nicht wie in der Energiepolitik mehrerer Kernschmelzen bedarf, um eine Wende einzuleiten.

Sie selbst haben im Börsencrash 2000 Erspartes verloren. Wie fühlt es sich an, den Lohn der Arbeit vernichtet zu sehen?

Es war das Geld, was meine Eltern seit meiner Geburt für meine Ausbildung angespart hatten. Ich erinnere mich vor allem an die Wut auf mich selbst. Ich hatte dem »Berater« blind vertraut.

Nach beruflichen Erfahrungen bei einer renommierten Großbank sowie einer nachhaltigen Bank sind Sie 2010 auf die Anlegerseite gewechselt und haben »Geld mit Sinn« gegründet.

Genau. Mir war klar geworden, dass auch Banken nur das tun, was die Eigentümer und Kunden fordern. Daher ist es wichtig, dass Anleger ihren Einfluss kennen. Durch eine Freundin lernte ich Anfang 2010 die PR-Expertin Birte Pampel kennen. Gemeinsam entwickelten wir dann die Idee, eine Finanzinitiative zu gründen.

Was ist das Ziel des Vereins? 

Die Nachhaltigkeit im Anlegerverhalten, im Beratungsprozess, in den Finanzprodukten und im Finanzsystem zu verankern. Wir möchten Menschen motivieren, zukünftig bei ihrer Geldanlage darauf zu achten, dass diese mit ihren Werten übereinstimmt. Sobald der Kunde bei seiner Anlage genauer hinschaut, die Berater objektiv beraten und es bei allen Banken auch qualitativ hochwertige Produkte gibt, wird das Finanzsystem ein anderes sein. 

»Wer spart, verliert« ist die provokante These von Autorin und Geldcoach Nicole Rupp und zugleich Titel ihres klugen Buches. Ticken Frauen in Finanzfragen anders? 

Man sagt Frauen ja oft nach, dass sie emotionaler und weniger rational sind als Männer. Dies ist auch bei der Geldanlage so. Frauen vertrauen mehr auf ihr Gefühl und berücksichtigen die Auswirkungen. Daher sind es sehr häufig Frauen, die sich entschließen, zukünftig ihr Geld bewusst zu investieren. Frauen sind bei der Geldanlage aber häufig auch unsicher, und das, obwohl belegt ist, dass sie in der Investition auch wirtschaftlich erfolgreicher sind als Männer. Vielleicht kein Zufall, dass auch unser Vereinsvorstand rein weiblich ist. 

Interview und Fotos: Jan R. Egel/eveQuelle: Magazin »eve«, 6_2012

 

eve Magazin: Warum wir diese Zeitschrift schätzen

Schon lange sind wir von dem Magazin eve begeistert, mit dem uns seit 2011 eine Medienpartnerschaft verbindet. Das Naturkostmagazin von der Medienfabrik Gütersloh überzeugt mit einem spannungsvollen Themenmix aus Schönheit, Mode, Ernährung, Unternehmensportraits und, was sehr ungewöhnlich ist, einer eigenen Rubrik für Grünes Geld. Da lag es nahe, den eve-Leserinnen das Engagement von Geld mit Sinn vorzustellen. Im September 2012 lud die eve-Redaktion unsere Initiatorin Heidi Geisler nach Frankfurt ein und veranstaltete mit ihr sowie Töchterchen Lea ein Interview und Fotoshooting im Herzen des Bankenviertels. Die Fotos sind wunderschön geworden und wirken, als wäre der Frühling zwischen den glatten Highrises eingezogen. Das Interview mit Heidi Geisler hingegen zeigt deutlich, dass die Mainstream-Banken in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit vom Frühling noch weit entfernt sind. Hoffen wir, dass viele Kundinnen und Kunden dieser Banken die November-Ausgabe von eve in den Einkaufskorb legen, wenn sie beim Naturkosmetikanbietr oder Bio-Laden ihrer Wahl einkaufen. Denn es sind Bankkunden wie wir, die eine Veränderung in der Finanzbranche bewirken können. 

Das Interview können Sie an dieser Stelle als PDF herunterladen. Die Zeitschrift eve erhalten Sie unter www.eve-magazin.de 

 

 

Finanzinitiative Climate Cooling - Fragen an Hans-Josef Fell

Alle Welt redet von Klimaerwärmung, wir haben das voraussichtlich wärmste Jahr seit Wetteraufzeichnung. Warum ist "Climate Cooling" denn so wichtig? Und profan gefragt: Ist "Climate Cooling" dasselbe wie "Global Cooling"?

Ja natürlich, mit Globaler Abkühlung ist die weltweite Abkühlung des Klimas gemeint. Heute haben wir bereits eine Erderwärmung auf 0,8 Grad Celsius über der mittleren globalen Temperatur vor etwa 200 Jahren. Diese Erderwärmung hat schon dramatische Auswirkungen: die ersten pazifischen Inseln sind durch den Anstieg des Meerespiegels unbewohnbar geworden und durch das beschleunigte Gletscherschmelzen werden in den nächsten Jahrzehnten weite Küstengegenden unbewohnbar werden. Millionen von Flüchtlingsströmen sind zu erwarten. Die vorhergesagten Wetterextreme haben heute bereits unerträgliche Ausmaße angenommen. So hat vor einem Jahr ein noch nie dagewesener Taifun auf den Philippinen alleine 7.000 Tote verursacht und der Hurrikan Sandy über New York 100 Milliarden US Dollar Schaden verursacht.

Was wird auf der Erde erst los sein, wenn sich die Erdtemperatur auf 2 Grad Celsius aufgeheizt hat? Die Schreckensszenarien sind kaum auszumalen. Es ist unverantwortlich, die Erderwärmung erst bei 2 Grad zu stoppen.

Was beeinflusst die Erderwärmung?

Sehr viele Faktoren. Natürlich beeinflussen die Sonnenaktivitäten das Erdklima, wie auch minimale Änderungen der Erdumlaufbahn. In den letzten zweihundert Jahren hat der Mensch durch die Nutzung von Erdöl, Kohle und Erdgas, aber auch Landnutzungsänderungen, wie das Abholzen großer Waldflächen durch Klimagasemissionen das Klima entscheidend aufgeheizt. Die sich laufend erhöhenden Konzentrationen von Klimagasen in der Atmosphäre, vor allem Kohlendioxid, Methan, aber auch Lachgas und andere, sowie der Wasserdampf in der Atmosphäre beeinflussen erheblich den Strahlungshaushalt der Erde. Die Konzentration dieser Klimagase muss von heute etwa 400 ppm Kohlendioxidäquivalent wieder in Richtung des vorindustriellen Niveaus, also etwa 330 ppm gesenkt werden. Nur so haben wir eine Chance, die Erde wieder in einen Abkühlungsprozess zu bringen. 

Können wir überhaupt noch eingreifen, was wäre konkret für eine Eindämmung der Erderwärmung zu tun? Von der Politik, der Wirtschaft, dem Einzelnen?

Wenn wir die Klimagasemissionen weltweit stoppen und gleichzeitig den überschüssigen Kohlenstoff aus der Atmosphäre holen, dann haben wir eine Chance die Erde abzukühlen. Eine Nullemissionswirtschaft, in deren Zentrum eine Vollversorgung mit 100% Erneuerbaren Energien steht, ist dafür ein Schlüssel, genauso wie eine Landwirtschaft, die mit weltweitem Humusaufbau den von Pflanzen eingefangenen Kohlenstoff sicher in oberen Bodenschichten deponiert. Daran kann und muss jeder einzelne persönlich arbeiten, mit seiner Energieumstellung oder dem Kauf von Biolebensmitteln. Die Politik muss den optimalen gesetzlichen Rahmen bilden, damit nicht wie bisher die Klimaschützer ökonomische Nachteile haben. Die Wirtschaft muss ihr Handeln von einer Erdölwirtschaft auf eine solare Wirtschaft umstellen.

"Geld bestimmt die Welt" - der Finanzwirtschaft kommt doch dabei eine Schlüsselrolle zu. Inwiefern?

Das Geld fließt meist dorthin, wo Renditen zu erwirtschaften sind - heute leider immer noch in die fossile und atomare Energiewirtschaft, in Erdölautos und eine fossile Landwirtschaft. Dies muss umgedreht werden. Geld sollte nur noch verdient werden mit Maßnahmen, die dem Klimaschutz nicht schaden. Das heißt, Renditen mit Investitionen in Erneuerbare Energien und biologische Landwirtschaft zu erwirtschaften und nicht mit Mineraldünger erzeugten Lebensmitteln oder mit  Kohlekraftwerken. Es braucht also eine neue politische Rahmensetzung, die die Geldflüsse umsteuert. Erforderlich dafür ist der Subventionsabbau in der fossil-atomaren Wirtschaft, Steuererleichterungen für Klimaschutzfinanzierungen und eine Carbonsteuer. Mit dem EEG wurde aufgezeigt, dass die Finanzwirtschaft sehr wohl schnell umsteuern kann, wenn die Bedingungen stimmen. Diese Erfolgsgeschichte muss erweitert werden. 

Glaubt man der aktuellen Politik, so sind Erneuerbare Energien zu teuer. Und ein gleichzeitiger Ausstieg / Umstieg von Atomkraft, Gas und Kohle auf Erneuerbare nicht machbar. Stimmt das, oder sind das eher wahlpolitische Aussagen? (Stichwort Arbeitsplätze in der Kohleindustrie z.B.)

Der Preisrutsch des letzten Jahrzehnts hat dazu geführt, dass heute Investitionen in Erneuerbare Energien kostengünstiger sind als in Kohle oder Kernkraftwerke. Nur hat sich das immer noch nicht in der Finanzwirtschaft und der herrschenden Politik rumgesprochen. Wir sehen ja in Deutschland, dass die neuen Kohle- und Erdgaskraftkraftwerke, die jetzt ans Netz gehen sollen, keine Renditen mehr erwirtschaften können, also vollkommene Fehlinvestitionen sind. Auch die beiden jüngsten Atomreaktorbauten sind nichts als Finanzdesaster, sie haben dem französischen Reaktorbauer bisher einen Verlust von 4 Mrd. Euro beschert, weshalb er jetzt vor dem Konkurs steht.

Was soll eine Finanzinitiative "Climate Cooling" bewirken? Finanzierung einer Aufklärungskampagne für Klimaschutzmaßnahmen für die breite Bevölkerung und Unternehmen? Soll es eher um Fundraising gehen, oder um engagierte Mitstreiter in einer Initiative?

Eine Finanzinitiative Climate Cooling (FICC) hat verschiedene Aufgaben. Sie soll zum einen beitragen, dass Finanzierungen auch schon unter den heutigen unzulänglichen politischen Rahmenbedingungen ihren Weg in die Klimaschutzinvestitionen finden. Helfen kann dazu eine ehrliche Analyse verbunden mit Warnungen vor Kapitalvernichtung infolge des Investments in Kohle oder Atom. Die Schaffung wirklich nachhaltiger Investmentfonds ist eine wichtige Grundlage, um für den vielfach vorhandenen Anlegerwunsch nach nachhaltigen Finanzanlagen eine Grundlage zu bilden. FICC könnte dafür gute Zertifizierungen entwickeln und durchsetzen. FICC sollte aber vor allem die Kriterien und gesetzlichen Grundlagen formulieren und von der Politik einfordern, die benötigt werden, damit das private Kapital gewinnbringend in den Klimaschutz fließt.

Herr Fell, wir danken für das Gespräch.

Interview: Anette Rehm 

 

„Der Zukunftsmarkt nachhaltige Geldanlagen wächst rasant“: Ein Interview mit der Finanzjournalistin Susanne Bergius

2. Januar 2013

Viele Banken, die nachhaltige, ökosozial verantwortliche Anlageprodukte anbieten, verzeichnen seit der Finanzkrise 2008/2009 sehr hohe zweistellige Kundenzuwächse. Wer sind diese Neukunden und was unterscheidet sie von Anlegern, die mit „grünem Geld“ bereits Erfahrung haben? 

Neukunden sind sowohl Privatleute als auch institutionelle Anleger wie Stiftungen, kirchliche Institutionen oder private Unternehmen. Manche haben sich schon länger mit dem Thema beschäftigt, für manche ist es komplettes Neuland. Bei der Finanzkrise verloren viele von ihnen mit konventionellen Anlagen große Summen, und sie zeigte die dramatischen Konsequenzen unverantwortlichen Wirtschaftens. Dies war und ist Anlegern ein Anstoß, sich über die Art und die Verantwortung der eigenen Geld- und Kapitalanlagen Gedanken zu machen und in nachhaltige Anlageformen zu investieren. 

Dies gilt umso mehr, als inzwischen erwiesen ist, dass die langjährige Rendite nachhaltiger Anlagen mit denen konventioneller vergleichbar und in Einzelfällen besser ist. Die Finanzkrise hat nachhaltige Anlagen zwar auch gebeutelt, aber nicht ganz so heftig. Das weckte Interesse. Ich spreche bewusst von nachhaltig, denn Alt- und Neukunden ist nicht nur an Umweltschutz, sondern auch an sozialen Standards gelegen und wirtschaftlich soll eine Anlage ja auch sein.

Glauben Sie, dass sich dieser Trend fortsetzen wird? 

Was sich abspielt ist keine Mode, sondern ein langfristiger Trend. Das zeigen erstens die Entwicklungen in angelsächsischen, skandinavischen und anderen europäischen Ländern. Dort beträgt der Anteil nachhaltiger Geldanlagen bereits bis zu zehn Prozent. Zweitens steigen die Bemühungen einer wachsenden Gruppe von institutionellen Investoren, zentrale nachhaltige Kriterien messbar zu machen und in die konventionelle Aktienanalyse und das Portfoliomanagement zu integrieren. Das betrifft Klima- und Umweltschutz im Kerngeschäft ebenso wie zufriedene, engagierte Mitarbeiter, ohne die langfristiger wirtschaftlicher Erfolg nicht möglich ist. 

Drei Beispiele aus nationaler, europäischer und globaler Perspektive: Ein Schweizer Institut stellte 2009 die gesamte Vermögensverwaltung um, so dass ökosoziale Kriterien bei Anlageentscheidungen integriert werden. Das gesamte in Europa verwaltete Vermögen, dass in irgendeiner Art ökologische, soziale oder ethische Kriterien beachtet, ist von 2009 bis 2011 von fünf auf 6,7 Billionen Euro gestiegen – und in allen Bereichen wuchs der Markt teils mit hohen zweistelligen Raten viel stärker als der konventionelle Markt. Das ergab im Herbst 2012 eine Studie der europäischen Branchenorganisation Eurosif.

Und nicht zuletzt: Den UN-Prinzipien für verantwortliches Investieren haben sich bis Ende 2012 mehr als 1100 Großinvestoren angeschlossen, die addiert über 32 Billionen US-Dollar verwalten – sie verpflichten sich, Nachhaltigkeitskriterien bei der Titelanalyse und dem Portfoliomanagement zu beachten.

Verändert dieser Trend den Sektor für private Geldanlagen?

Diese Entwicklungen beeinflussen auch das Segment privater Geldanlagen, sei es durch weitere neue Produkte, sei es durch die Umstellung bisheriger Produkte. Letzteres wurde 2012 bei einigen Fonds realisiert und spürbar ist es seit Jahren bei Immobilienfonds: Einige Anbieter haben begonnen, für den Kauf und den Bestand von Gebäuden Energie-, Gesundheits- und soziale Kriterien einzuführen.

Hält der Trend an, stünde auch dem Sektor erneuerbare Energien mehr Kapital zur Verfügung, oder? 

Eins ist klar: Unabhängig von aktuellen politischen Beschlüssen und der Geschwindigkeit der Energiewende und des damit verbundenen Ausbaus der regenerativen Energien und Netztechnologien sind Erneuerbaren Energien mittel- bis langfristig unabdingbar für die künftige Strom- als auch Wärmeversorgung. Wind- und Biomasseenergie sind laut Experten oft schon wettbewerbsfähig, und Solarstrom verträgt durchaus eine gewisse Kürzung der Einspeisevergütung. Überdies profitieren alle grünen Technologien rund um den Globus immer wieder von Konjunkturprogrammen.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat errechnet, dass sich der Weltmarkt für grüne Technologien bis 2020 auf knapp 2 Billionen Dollar gegenüber 2004 vervierfacht. Analysten halten erneuerbaren Energien für langfristig erfolgversprechend. Insgesamt ist davon auszugehen, dass diesem Bereich künftig mehr Kapital zur Verfügung stehen wird. 

Für welche Unternehmen dieser Branche sehen Sie die größten Chancen? Was ist zu beachten?

Vor allem ist zu bedenken, dass Technikwerte während Börsenflauten besonders leiden – so war das auch während der Finanzkrise. Zudem stehen Solar- und Windhersteller nach starken Wachstumsjahren vor einer Konsolidierung – einige deutsche Solarunternehmen und einstige Vorzeigefirmen auch anderer Energieformen sind in den letzten Jahren untergegangen. Dazu trugen auch hausgemachte Managementfehler und das Unterschätzen des internationalen Wettbewerbs bei. Infolgedessen haben einige Anleger viel Geld verloren. 
Daraus aber den Schluss zu ziehen, nachhaltige Anlagen seien zu riskant, ist falsch. Hierbei handelt es sich um Technikwerte, die immer ein hohes Risiko bergen, egal in welcher Branche. 
Anleger sollten darum nicht blind in jedes „grüne“ Unternehmen investieren. Auch hier gilt: Es muss ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept haben. Bei der Auswahl solcher Firmen ist folglich eine solide Analyse ihrer Produktpalette, Rentabilität und Konkurrenzfähigkeit erforderlich. „Grün sein“ alleine reicht nicht. Vielversprechende Unternehmen möchte ich nicht nennen – ich bin keine Anlageberaterin.

In den letzten Jahren ist eine Fülle von Finanzprodukten entstanden, die ethisch-soziale oder ökologische Werte verkörpert. Welche Produkte sind in Ihren Augen für unerfahrene Anleger und Anlegerinnen besonders interessant? 

Statt einzelne Aktien oder geschlossene Fonds sind offene Aktien-, Renten- und Mischfonds empfehlenswert, deren Risiken breiter gestreut und somit geringer sind. Das in Investmentfonds angelegte Geld ist als Sondervermögen geschützt und bleibt selbst bei Insolvenz der Fondsgesellschaft im Eigentum der Anleger. 
Anleger sollten etablierte nachhaltige Produkte wählen, die bereits länger bestehen, ein ordentliches, mindestens höheres zweistelliges Volumen haben und deren Wertentwicklung vergleichsweise gut ist. Dies sind oft Produkte von Anbietern, die in dem Segment lange Erfahrung haben. Ein weiterer Schritt wäre, zunächst seine eigenen Prioritäten festzustellen: Will man lieber sehr strenge Kriterien oder reicht der Ausschluss heikler Branchen? Auch dies kann helfen, das richtige Produkt zu finden.
Anleger sollten auf jeden Fall ihren Bankberater befragen. Und: Frauen sollten sich nicht von forschen männlichen Beratern abwimmeln und zu risikoreicheren, nicht-nachhaltigen Anlagen drängen lassen. 

Was ist zu tun, wenn man sich bei seinem bisherigen Finanzberater nicht gut beraten fühlt? Wo kann man sich informieren?

Falls der Bankberater zu dem Thema nicht viel weiß, was leider bei konventionellen Banken oder Sparkassen noch häufig vorkommt, könnten sich Anleger zum Beispiel bei anderen Instituten, bei Öko-Banken oder bei freien Finanzberatern beraten lassen. Sie können sich auch selbst auf spezialisierten Internet-Seiten informieren, wie der unabhängigen und kostenlosen Datenbank www.nachhaltiges-investment.org. So können Sie Anlageoptionen sondieren, mit ihrem Berater besprechen und in ihr Depot aufnehmen. 

Sehr hilfreich sind die seit Mitte 2012 vom „Forum nachhaltige Geldanlagen“ erstellten Fondsprofile: Sie erläutern und systematisieren auf zwei Seiten das Konzept eines Fonds und sind auf der Webseite des FNG einsehbar. Dort ist auch eine Matrix zu finden, mit Hilfe derer man Fonds nach bestimmten Kriterien vergleichen und aussuchen kann. Es gibt bereits zahlreiche Fonds, die so erfasst sind, allerdings ist es erst ein Bruchteil aller Fonds. Es bleibt für 2013 zu hoffen, dass mehr Fondsanbieter bereit sind, dem FNG die erforderlichen Informationen zu geben.


Susanne Bergius (www.susanne-bergius.de) ist unabhängige Journalistin für nachhaltiges Wirtschaften und Investieren und leitet das „Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments“ (www.handelsblatt-nachhaltigkeit.de). 

Das Interview führte Birte Pampel, GELD mit Sinn!

 

Waldinvestments: Forest Finance aus Bonn

Geld wächst bekanntlich nicht auf Bäumen – aber diese können, wenn sie nachhaltig bewirtschaftet werden, Geld sinnvoll vermehren. Geld mit Sinn sprach mit Harry Assenmacher, dem Geschäftsführer und Initiator der Forest Finance Service GmbH aus Bonn. Die Waldexperten betreiben auf mehr als 16.000 Hektar tropischem Boden Aufforstungsprojekte und Kakaopflanzungen, haben bisher 500 sozial versicherte Arbeitsplätze in den Anbauländern geschaffen und  für ihr ökologisches und soziales Engagement zahlreiche Auszeichnungen erhalten.  


Herr Assenmacher, was bewirken Anleger, die bei Forest Finance investieren? 

Noch viel zu wenig. Angesichts der weltweiten Waldzerstörung sind wir noch immer der Tropfen auf den heissen Stein. Aber wir sind sehr beispielgebend. Unsere Art nachhaltig aufzuforsten und mit Mischwäldern statt mit Monokulturen zu arbeiten verbreitet sich. Das war vor 15 Jahren noch völlig neu. Ausserdem geben wir Beispiel für sozial verantwortliches Wirtschaften gemeinsam mit der örtlichen Bevölkerung. Und nicht zu vergessen: Unser Produkt ist Wald und den „bewirken“ unsere Anleger garantiert.

Es gibt in Deutschland ca. 15 Anbieter von Waldinvestments, die sich an Privatanleger richten. Was unterscheidet Forest Finance von diesen Anbietern? 

Die markanteste Differenzierung ist sicher unser Alter. Wir sind der einzige Anbieter, der einen Wald selbst aufgeforstet hat, der bereits Erträge abwirft. Dieser steht auf der Finca Las Lajas in Panama. 

Wie muss man sich das Geschäftsmodell von Forest Finance vorstellen? 

Was wir tun ist nicht neu, sondern wird seit Jahrhunderten gemacht, nämlich Forst- und Waldwirtschaft. Was neu ist: Wir können unsere Waldinvestments so klein zuschneiden, dass sie auch für Kleinanleger zugänglich sind. Außerdem muss der einzelne Investor nicht mehr das Risiko tragen, dass die Qualität und der Ertrag seiner Parzelle gering ausfallen, denn alle Anleger investieren gemeinsam in mehrere Parzellen.

Waldinvestments unterscheiden sich auch durch Art und Umfang der Rechte, die Anleger mit ihrem Investment erwerben: Manchmal kaufen sie den Grund und Boden, auf dem die Bäume stehen, manchmal pachten sie diesen nur und mitunter erwerben sie lediglich eine bestimmte Anzahl von Bäumen. Wie hält es Forest Finance? 

Bei uns können die Kunden den Boden pachten oder kaufen. Ein Kauf ist nicht immer möglich, da sich das Land häufig im Besitz des jeweiligen Staates befindet und man nur Nutzungsrechte kaufen kann. 

Waldinvestments sind nicht automatisch nachhaltig, es kommt darauf an, wie die Wälder bewirtschaftet werden. Welche Investmentphilosophie verfolgt Ihr Unternehmen? 

Viele Menschen glauben, sie können nachhaltig investieren ohne dass etwas an ihrem Lebensstil und unserem Wirtschaftssystem geändert werden muss. Das ist in unseren Augen ein Fehlschluss, denn man kann nicht grüne Profitwirtschaft betreiben. Das ist schlicht und einfach nicht möglich. Deshalb stehen wir auch dem genossenschaftlichen Gedanken sehr nahe. Es geht uns darum, nachhaltig Werte zu schaffen und das muss sich in Gewinn für alle ausdrücken – nicht nur für den einzelnen. 

Sie bewirtschaften 16.000 Hektar Wald in Mittelamerika, Südamerika und Asien. Wie hoch ist der Anteil der Flächen, der bereits zertifiziert wurde? 

Wir haben momentan nicht alle Flächen zertifiziert, weil wir in Kolumbien eine riesige Fläche für den Anbau vorbereiten, die allein 10.000 Hektar umfasst. Wir werden dort nächstes Jahr mit dem Anbau beginnen und leiten den Prozess der Zertifizierung dort jetzt ein. 

Manche unserer Flächen werden vom FSC gar nicht zertifiziert, weil sie für den Nahrungsmittelanbau verwendet werden, z.B. Kakao. Wir sprechen deshalb mit der Rain Forest Alliance über die Möglichkeit, eine 
Lebensmittelzertifizierung zu bekommen. 

Warum ist die Zertifizierung von Waldflächen ein wichtiges Kriterium für Anleger, die in Wald investieren wollen? 

Das würde ich nicht unbedingt bestätigen. Die Zertifizierung ist nur ein Indiz dafür, dass in der Bewirtschaftung der Waldflächen die schlimmsten Dinge ausgeschlossen werden, aber mehr leider auch nicht. Wir sind der Ansicht, dass die tropische FSC Zertifizierung zu schwach ist – dort kommen immer allerhand Skandale hoch, die im Dunstfeld von Interessenkonflikten stattfinden. So werden die Betriebe, die die Zertifizierung durchführen, vom betreffenden Unternehmen bezahlt. Wir sind sehr dafür, dass es eine staatliche, ökonomisch unabhängige Organisation gibt, die Waldzertifizierungen vornimmt. 

Viele Anleger betrachten Bauminvestments als einen lebenden Schutz vor der Inflation. Warum? 

Das ist tendenziell auch richtig. Wenn Sie ein Haus kaufen, so wird es jedes Jahr weniger wert, Sie müssen es abschreiben. Ein Wald wächst jedes Jahr, auch wenn die Anleger ihn nicht ernten können. Wenn es allerdings zu einer negativen Entwicklung der Leitwährung kommt, zieht auch der Preis für die Wälder irgendwann nach.  

Bauminvestmentfirmen sprechen häufig von „garantierten“ Renditen. Die von ihnen angebotenen, häufig zweistelligen Renditen sind für mitteleuropäische Begriffe sehr hoch. Wie stehen Sie zu solchen Aussagen? 

Sobald das Wort Garantie auftaucht, würde ich als Anleger sehr skeptisch werden, denn niemand auf der Welt kann eine bestimmte Rendite im Voraus garantieren. Das gilt besonders für Waldinvestments, weil es hier um natürliche Prozesse geht, die nicht vorhersehbar sind. Beim Wald kann alles mögliche passieren, es gibt viele Faktoren, die auf die Entwicklung der Bäume Einfluss nehmen. 

Wie hoch sind die prognostizierten Renditen, von denen Forest Finance ausgeht? 

Wir bilden in unseren Prognosen für die zu erwartenden Erträge immer eine Spannbreite von 0 bis 10% ab. Eine mittlere Rendite von 6 Prozent halten wir bei unseren Investments für sehr ordentlich. Zweistellige Renditen bieten wir nicht – obwohl sich das rechnerisch abbilden ließe –denn wir wollen bewusst nicht an die Gier der Anleger appellieren. 

Sie sind von Haus aus Natur- und Umweltschützer, haben lange für den BUND gearbeitet. Wo befindet sich Ihr ganz persönlicher Lieblingswald? 

Wenn es um Wälder geht, bin ich ausgesprochen heimatverbunden. Ich finde einen deutschen Buchenwald, in dem wirklich alte Buchen stehen, wunderschön. 

www.forestfinance.de

 

Serie BERATERCHECK: Wie Mystery Shopper die Beratungsqualität prüfen

Seit der Finanzkrise haben viele Anleger das Vertrauen in die Beratungskompetenz ihrer Bank verloren. Nicht ganz grundlos, wie die „Mystery Shopper“ von byQuality feststellen, einem Unternehmen, das die Beratungsqualität der Geldhäuser nach 124 objektiven Kriterien bewertet. Geld mit Sinn sprach mit Geschäftsführerin Kornelia Knoppik.  

 

Was ist das Ziel Ihrer Beratertests? 

Wir möchten Verbrauchern den Zugang zu guter Finanzberatung erleichtern. Das Ziel unserer Tests besteht darin, gute Berater von solchen abzugrenzen, die nur mit flotten Werbesprüchen glänzen oder nach Produktvorgaben und hohem Provisionsertrag am Interesse ihrer Kunden vorbei  beraten. 

Wie geht Ihr Unternehmen bei einem typischen Mystery-Shopping-Einsatz vor? 

Wir erstellen für unterschiedliche Beratungsthemen zunächst eine Norm, wie ein gutes Beratungsgespräch inhaltlich und rechtlich korrekt ablaufen muss.  Z.B. muss ein Bank- oder Finanzberater Diskretion und Datenschutz beachten. Er muss bei Neukundenkontakten schriftlich bekannt geben, welchen Vermittlerstatus er hat, ob Interessenskollisionen vorliegen, bei welcher Behörde er seine Beratungserlaubnis erworben hat und wie sein Haftpflichtversicherungsschutz aussieht.

Wie muss man sich das Beratungsgespräch vorstellen? 

Unserer Tester haben eine festgelegte Kundenrolle, nach der sie handeln müssen. Das Beratungsgespräch wird dabei vorwiegend defensiv geführt. Wenn der Berater nicht von sich aus bestimmte Themen anspricht, dann fragt der Tester dies aktiv nach. 

Welche Bereiche werden von Ihren Testern geprüft? 

Wir testen die fachliche Kompetenz, d.h. das Wissen um die Produkte, ihre Leistung, und Eignung. Darüber hinaus prüfen wir die Beratungskompetenz, d.h. die methodische Fähigkeit, Kundensituationen zu analysieren, Bedarf zu ermitteln und dann geeignete Produkte zu empfehlen. Und natürlich, ob die Vorschriften zum Verbraucherschutz eingehalten werden, also ein Beratungsprotokoll erstellt und über Kosten und laufende Gebühren informiert wird.

Welche Themen werden im Beratungsgespräch am Häufigsten vernachlässigt? 

Ganz klar die Altersvorsorge: Dieses Thema wurde von den von uns getesteten Unternehmen bisher nur in ca. zehn Prozent der Fälle thematisiert. Das Problem besteht häufig darin, dass sich die Berater mit gesetzlichen Leistungen  für die Altersvorsorge und auch mit den anderen Bereichen unserer sozialen Versorgung nicht auskennen. Dadurch können sie die Lücken der gesetzlichen Vorsorge nicht berechnen und keine individuellen Angebote machen. Ganzheitliche Beratung sieht anders aus.

Warum werden die Berater von ihren Banken nicht entsprechend ausgebildet? Sie könnten ihren Kunden mit diesem Wissen doch viel gezielter das verkaufen, was ihre Kunden wirklich benötigen. 

Das Problem ist, dass die Banken generell zu wenig in die qualitative Ausbildung der Berater investieren. Diese werden nicht ausreichend in den Beratungsprozess eingearbeitet. Das Ergebnis: Obwohl die Werbung ganzheitliche Beratung verspricht, können die Berater dies ihren Kunden nicht bieten. 

Bei wem sehen Sie in puncto Beratungsqualität den größten Handlungsbedarf? 

Die Banken mit dem größten Marktanteil, das sind die Sparkassen und Genossenschaftsbanken müssten dringend an der fachlichen und methodischen Kompetenz ihrer Berater arbeiten und diese Kompetenzen auch überprüfen lassen. Hier haben immerhin ca. 80% der Deutschen ihr Konto. Unabhängige Berater können sich schlechte Beratungsqualität und dadurch bedingten Kundenverlust kaum erlauben. Sie schneiden in unseren Untersuchungen auch deutlich besser ab.

Woran machen Sie die Qualität Ihrer eigenen Arbeit fest? 

Wir arbeiten ausschließlich mit branchenkundigen Fachkräften, die für ihre Aufgabe speziell geschult werden. Außerdem haben wir unsere gesamten Arbeitsprozesse zertifizieren lassen und lassen unsere Qualität jährlich freiwillig überprüfen. Wir erstellen unsere Untersuchungen objektiv und wir sind unabhängig. Im Gegensatz zu anderen Beratertests, bei denen häufig Finanzkunden um ihre Meinung zum Berater gefragt werden. Das Problem dieser Kundenbewertungen: Für den Laien ist es schwierig, die Beratungsqualität an objektiven Kriterien festzumachen. Er verhält sich ähnlich wie bei einem Arztbesuch, d.h. er nimmt wahr, wie sympathisch oder engagiert der Arzt ist. Fachliche oder formelle Kriterien, die Diagnosefähigkeit des Arztes z.B. kann der Patient jedoch nicht oder nur eingeschränkt bewerten. 

Wie reagieren die von Ihnen getesteten Banken, wenn sie mit negativen Ergebnissen konfrontiert werden? 

Die überwiegende Zahl der Banken hält Beratertests für überflüssig und begründet dies manchmal sogar damit, dass die Kunden die Mängel in der Beratung „gar nicht bemerken“. Häufig höre ich auch den Satz: „Wir haben jetzt andere Probleme.“ 

Interview: Birte Pampel 

Auf der Webseite Obago.de stellt Kornelia Knoppik Checklisten zur Vorbereitung auf  Bank- und Finanzberatungsgespräche zur Verfügung. 

Dort finden Sie auch die Testergebnisse von byQuality.

 


Was bewirken Anlegergelder bei der EKK?

Die Evangelische Kreditgenossenschaft ist seit ihrem Bestehen ein wichtiger Akteur für die Finanzierung der Sozial- und Gesundheitswirtschaft in Deutschland. Heute liegt ihre Aufgabe darin, soziale und ökologische Kriterien im alltäglichen Bankgeschäft zu verankern. Dabei hat die EKK sich zu einem vorbildlichen Anbieter nachhaltiger Geldanlagen entwickelt. Geld mit Sinn! e.V. sprach mit Thomas Katzenmayer, Vorstandssprecher der EKK

Viele Kirchenbanken stehen nur Anlegern offen, die für die Kirche oder eine kirchliche Organisation arbeiten. Wer kann bei der Evangelischen Kreditgenossenschaft Kunde werden? 

Wir betreuen institutionelle Kunden aus Kirche, Diakonie und freier Wohlfahrtspflege. Die EKK ist in den Geschäftsfeldern Alten-, Behinderten- und Jungendhilfe, Krankenhaus sowie Rehabilitation tätig. Im Privatkundenbereich steht unsere Bank jedem offen, der sich mit den christlichen Werten der EKK identifizieren kann. Unser in 2012 neu entwickelter Claim sagt aus: Wir sind „Ihre Bank mit christlichen Werten“. Das bringt unser Selbstverständnis zum Ausdruck, d.h. wir haben uns christlichen Werten verpflichtet; es heißt aber nicht, dass die EKK ihre Kunden auf christliche Werte festlegt. Für die EKK drücken sich christliche Werte besonders im Bestreben aus, Nachhaltigkeit mit den drei Säulen der ökonomischen, ökologischen und sozial-ethischen Verantwortung in der Bank langfristig zu verankern.

Nachhaltige Geldanlagen können soziale, ökologische, aber auch kulturelle Bereiche fördern. Wohin fließt das Geld, das Bankkunden bei der EKK anlegen?

Die Kundeneinlagen der EKK fließen in den Finanzkreislauf von Kirche und Diakonie, d.h.sie dienen dazu, kirchlichen und diakonischen Einrichtungen sowie privaten Kunden Kredite zu gewähren. Da die Kundeneinlagen den Bedarf an Krediten übersteigen, wird das verbleibende Geld von der EKK nachhaltig angelegt, überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere.

Mit dem erwirtschafteten Ertrag der festverzinslichen Wertpapiere werden Guthabenzinsen ausgezahlt, Konditionen attraktiv gestaltet, laufende Kosten der Bank gedeckt sowie Spenden- und Sponsoring-Maßnahmen kirchlicher und diakonischer Kunden finanziert. Von dem verbleibenden Gewinn wird die jährliche Dividende für die Mitglieder der EKK gezahlt sowie Eigenkapitalrücklagen zur Risikovorsorge gebildet.

Ein Teil der Kundeneinlagen wird in Ihrem Haus also in nachhaltige Geldanlagen investiert. Wie stellen Sie sicher, dass diese wirklich nachhaltig sind? 

Zusammen mit dem Research-Unternehmen imug, Hannover, haben wir den EKK-Nachhaltigkeitsfilter entwickelt, der sowohl für die Vermögensverwaltung unserer institutionellen Kunden als auch für unsere Eigenanlagen Anwendung findet. Mit dem EKK-Nachhaltigkeitsfilter werden Staatsanleihen, Banken und deren Anleihen sowie europäische Aktien nach Nachhaltigkeitskriterien in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance bewertet bzw. durch ethisch motivierte Ausschlusskriterien (z. B. Todesstrafe) herausgefiltert.

Bei den Vermögensverwaltungen für institutionelle Anleger werden die Nachhaltigkeitskriterien zusammen mit dem Kunden individuell definiert und bei der Vermögensanlage berücksichtigt. Je nach Grenzziehung und Gewichtung einzelner Nachhaltigkeitskriterien können sich unterschiedliche Anlageuniversen ergeben. 

Ihr Unternehmen hat im April 2012 den EKK-Nachhaltigkeitspreis ausgelobt. Wofür steht dieser Preis? 

Das Thema Nachhaltigkeit liegt uns sehr am Herzen. Wir wünschen uns, dass der Begriff Nachhaltigkeit nicht bloß zu einer „hohlen Phrase“ verkommt, die für Marketingzwecke eingesetzt wird. Wir sehen Nachhaltigkeit als eine Verantwortung, die über den Horizont des eigenen Lebens hinausgehen muss. Viele unserer Kunden schaffen durch ihre Arbeit täglich nachhaltige Werte. Das wollen wir zum einen mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rufen und zum anderen auch finanziell unterstützen. 

Der EKK-Nachhaltigkeitspreis setzt einen jährlichen Themenschwerpunkt, der sich an den drei Säulen der Nachhaltigkeit orientiert. In diesem Jahr steht das sozial-ethische Engagement unserer institutionellen Kunden im Vordergrund. Unter dem Motto „Christliche Werte schaffen MehrWert“ subsumieren wir, was wir unter Nachhaltigkeit verstehen: Nachhaltiges soziales Engagement schafft Mehrwert für die Gesellschaft. Die Grundlage dafür ist ein christliches Werteverständnis, nämlich z. B. Nächstenliebe, Verantwortung und Vertrauen. Diese Werte sind sowohl unser eigener Antrieb für unsere Arbeit als auch der unserer Kunden. Das verbindet uns.

Das nachhaltige Engagement ist im Bankbereich unterschiedlich stark ausgeprägt. Es kann die von einer Bank vertriebenen Finanzprodukte, die Beratung, die Kreditvergabe, den Umgang mit den betrieblich genutzten Ressourcen und viele andere Aspekte umfassen. Bitte erklären Sie, was das Nachhaltigkeitskonzept Ihrer Bank kennzeichnet. 

Wir wurden 2011 als erste Kirchen- und Genossenschaftsbank mit dem anspruchsvollsten europäischen Nachhaltigkeitsstandard EMASplus (EMAS = Eco-Management and Audit Scheme) ausgezeichnet.  EMASplus ist ein hoch komplexes Managementsystem, das gesellschaftliche Unternehmensverantwortung mit einem Qualitäts- und Umweltmanagement vereint. Damit dokumentieren wir nun auch offiziell, dass wir den Dreiklang der Nachhaltigkeit, also Ökonomie, Ökologie und Sozial-Ethik, sehr erfolgreich in unserer Bank verankert haben. Nachhaltigkeit bildet den Kern unseres Geschäftsmodells – und das schon seit der Gründung der Bank im Jahr 1969; bereits in der Gründungsurkunde der EKK wird explizit von einer nachhaltigen Geschäftspolitik gesprochen.

Nachhaltigkeit umfasst auch Verantwortung in ökonomischer Hinsicht. Wie definieren Sie diese?

Zu unserer ökonomischen Verantwortung zählt insbesondere die Aufrechterhaltung des nachhaltigen Finanzkreislaufes von Kirche und Diakonie in Form eines verantwortungsvollen Umgangs mit den uns anvertrauten Geldern. Unser mehrfach ausgezeichnetes nachhaltiges Produkt- und Dienstleistungsangebot ist ebenfalls Ausdruck unserer Verantwortung. Die EKK-Angebote werden kontinuierlich unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit ausgebaut. Wir haben mehrere nachhaltige Anlageformen im Angebot: z. B. den Öko-Aktienfonds, die KCD-Union Nachhaltig Fonds, Nachhaltigkeitsfonds (z. B. FairWorldFonds), nachhaltige Garantiefonds und Zertifikate, die EKK-Nachhaltigkeitsanleihen sowie das Gewinnsparen.

Auch im Bereich der Ökologie dokumentieren wir unser nachhaltiges Engagement auf vielfältige Weise. Wir übernehmen Verantwortung für einen effizienten und umweltgerechten Umgang mit den Ressourcen. 

Interview: Birte Pampel, Geld mit Sinn! e.V.

 

 

Energiewende: Welche Chancen haben Privatanleger heute?

Die Energiewende voranbringen: Dieses Ziel hat Tausende von Privatanlegerinnen und –anlegern dazu motiviert, einen Teil ihres Vermögens in Kraftwerkparks für erneuerbare Energien zu investieren. Besonders Beteiligungen an Solarparks galten als ein wirksames Instrument, um eine dezentrale, demokratische Energieversorgung zu unterstützen. Nach der letzten, drastischen Kürzung der Solarförderung fragen sich viele Anleger, wie sie ihr Engagement für eine nachhaltige Energieversorgung sinnvoll fortsetzen können. Geld mit Sinn! sprach in Nürnberg mit Georg Hetz, Geschäftsführer von UDI, einem führenden Entwickler von Erneuerbare-Energien-Projekten und Anbieter von ökologischen Geldanlagen.

 

Herr Hetz, die erneute Kürzung der Solarförderung hatte für Anlegerinnen und Anleger in Deutschland vor allem eine Konsequenz: Es wird für Kleinanleger immer schwieriger, an der Energiewende mitzuwirken.

Ja, die Konsequenz ist, dass man kaum noch eine Wirtschaftlichkeit bei Solaranlage erreichen kann – und das gilt sowohl für private Solaranlagen als auch für Freiflächenanlagen.

Auf welche Bereiche der Erneuerbaren Energien können die Anleger ausweichen?
Wir sehen sehr gute Chancen im Bereich der Windkraftnutzung. Da ist hier in Bayern und in Baden-Württemberg sehr viel passiert, so dass wir ab dem Jahr 2013 mit einem deutlich größeren Zubau an Windkraftanlagen rechnen, die in diesen Regionen errichtet werden. Die meisten werden als Bürgerkraftwerke gebaut.

Was bedeutet das für Anleger, die sich an solchen Projekten beteiligen möchten?

Bei der Planung von Bürgerkraftwerken können die ortsansässigen Bürger ein Vorzugsrecht bei der Anteilszeichnung geltend machen, d.h. erst zeichnen die Anwohner des Projektstandorts, danach (wenn noch Anteile verfügbar sind) die überregionalen Bürger.

Welche Rolle übernimmt der Projektentwickler beim Aufbau von Bürgerkraftwerken dieser Art?

Wir übernehmen im Prinzip die "ganzheitliche" Betreuung. Von der Konzeption bis zur Realisierung der Anlage, von Infoveranstaltungen vor Ort bis hin zum Vertrieb, also der Einwerbung der Anlegergelder.

Welche Renditen können Anleger bei solchen Projekten erwarten?

Die Renditen liegen im Schnitt zwischen 6,5 bis 7 Prozent.

Der Bau von Windkraftwerken ist in Deutschland ein heiß umkämpfter Markt, der überwiegend von den großen Stromkonzernen bestritten wird. Wie schafft es ein Mittelständler wie UDI, sich gegenüber solchen Unternehmen zu behaupten?

Unser Problem bestand darin, dass Windkraftanlagen bisher immer vom Reißbrett gekauft wurden, bevor wir eine Chance hatten, daraus eigene Projekte zu konzipieren. Der Grund: Im Windkraftgeschäft müssen Projektentwickler wie wir gewaltige Mengen an Kapital für die Vorfinanzierung aufbringen. Das Finanzierungsmodell hatte zur Folge, dass bisher vor allem Großinvestoren zum Zug kamen, die das nötige Kapital im Voraus aufbringen konnten. "Demokratische" Fondslösungen mit vielen Kleinanlegern sind quasi ausgehebelt worden.

Wie hat Ihr Unternehmen dieses Problem gelöst?

Wir haben eine eigene Vorfinanzierung eingerichtet, mit der auch wir bei der Errichtung einer Windkraftanlage Gelder vorschießen können: Wir werben Anlegergelder in Form von kurzfristigen Anleihen ein, d.h. der Anleger gibt dem Projektentwickler ein Darlehen über einen bestimmten Betrag. Der Projektentwickler des Windkraftparks haftet dem Anleger gegenüber mit seiner Bonität, d.h. er verpflichtet sich dazu, ihm dieses Darlehen zurückzuzahlen. Die Risikoklasse der Anleihe ist in dieser Hinsicht dieselbe wie bei den unternehmerischen Beteiligungen.

Wie weit sind Ihre Planungen für den Bau von Windparks fortgeschritten?

Wir sind dabei, Kooperationen mit entsprechenden Partnern aufzubauen und haben 15 Windkraftanlagen geplant, die überwiegend in den neuen Bundesländern entstehen werden. Aktuell ist eine Beteiligung über eine Festzinsanlage (die eingangs erwähnte Anleihe) möglich, mit der die Bauinvestitionen finanziert werden. Sobald die Genehmigungen erteilt und die Fremdfinanzierungen gesichert sind, also mit dem Bau begonnen werden kann, wird für jedes Projekt eine eigene Fondsgesellschaft eingerichtet, über welche die einzelnen Projekte finanziert werden. Unsere Anleger können die Festzinsanlage nach drei Jahren in eine Beteiligung umwandeln lassen.

Drei Jahre sind ein überschaubarer Zeitraum. Bislang mussten Anleger ihr Geld bis zu zwanzig Jahre investieren, wenn sie eine Beteiligung an einem Solar- oder Windpark erwarben. Kehrt sich dieser Trend jetzt um?

Das würde ich nicht sagen. Trotz der Unsicherheit im Finanzmarkt sind viele Anleger nach wie vor bereit, auch langfristig zu investieren. Es gibt aber auch eine zweite Schicht, die an kurzfristigen Investments interessiert ist und ein hohes Interesse daran hat, in erneuerbare Energien zu investieren. Beide Arten von Anlegern braucht es, um ein gigantisches Unterfangen wie die Energiewende in Deutschland auf den Weg zu bringen.

 

 

Geld macht Spaß! Oder: Alles begann mit einer Ente …

Geld und Spaß – wie soll das zusammengehen? Für viele Menschen sind das zwei unvereinbare Gegensätze! Geld ausgeben, das ja! Aber sich mit den eigenen Finanzangelegenheiten beschäftigen, nein Danke! Sparen: allein dieses Wort hat schon so einen negativen Beigeschmack, klingt nach Entbehrung, Mühsal..So denken allerdings nicht alle Menschen. Mir hat Geld schon als Kind „Spaß gemacht.“ Und diese Freude am Thema Finanzen hat später auch meine Studienwahl und meinen beruflichen Werdegang geprägt. Wie es dazu kam? Alles begann mit einer Ente …

Nämlich Dagobert Duck. Fast jeder kennt ihn, den Fantastilliardär aus Entenhausen. Mich faszinierte die Familie Duck mit ihren Geschichten vom ersten Tag an. Sprüche wie „Wenn ich weiter in dieser Geschwindigkeit Geld verliere, dann bin ich in 637 Jahren, sechs Monaten, drei Tagen und vier Stunden pleite!“ nahm ich beim Wort. Ich rechnete auf das Komma genau nach, wie viel Geld Dagobert Duck haben und verlieren würde, bis er pleite war. Auf jeden Fall unermesslich viel! Und was macht der Duck mit all dem schönen Geld? Er hortet es in seinem Geldspeicher, nimmt Geldbäder, juchzt „Ich werfe es in die Luft, damit es mir so richtig schön auf den Kopf prasselt!“. Als Achtjährige habe ich öfter alle meine gesparten Münzen genommen und wie mein Freund Dagobert einen Geldregen veranstaltet. Gut, es waren lange nicht so viele Taler, und ehrlich gesagt hat es ein bisschen weh getan – aber ich hatte auf jeden Fall keine Berührungsängste mit dem Thema Geld..

Das Gesetz „Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis“ lernt man während in jeder Einführungsvorlesung für Volkswirtschaft. Viel früher und viel verständlicher hat Dagobert es mir beigebracht: In einer seiner Geschichten geht es darum, wie er Donald um eine 50 Cent-Münze beneidet und alles daran setzt, seinen Unglücksneffen auszubooten, mit einem einfachen Trick: Dagobert sagt zu Donald, er halte die wertvollste Münze der Welt in der Hand. Donald ist verwundert, denn er sieht nur eine ganz gewöhnliche 50-Kreuzer-Münze eines bestimmten Jahrgangs vor sich. Bis Dagobert überall per Anzeige bekannt gibt, dass er alle existierenden 50-Kreuzer-Münzen dieses Jahrgangs aufkauft – zum doppelten Preis. Ein „Draufzahlgeschäft“, wie Donald meint, doch dann kippt sein reicher Onkel alle Münzen ins Meer – bis auf ein Exemplar, das nun die seltenste und teuerste Münze der Welt ist. Dumm nur, dass allein eine Person auf der Welt genug Geld hätte, um diese Münze zu kaufen …nämlich der reiche Erpel selbst!

Ähnlich wie Dagobert habe ich als Kind jedes Jahr von neuem meinen „Geldspeicher“, sprich mein Sparschwein gefüllt und begeistert den steigenden Pegelstand verfolgt. Einmal im Jahr ging es dann zur Sparkasse, denn auf dem Sparkonto brachte das Geld ja mehr Zinsen (und damit wieder mehr Geld) als im Sparschwein …. Aus dieser Zeit stammt übrigens auch eine Episode, die vermutlich einige sparbegeisterte Kinder mit mir teilen: Nach dem jährlichen Gang zur Bank wollte ich von meinem Vater wissen, woher denn die Sparkasse die Zinsen für mein Geld nehme. Die „kindgerechte“ Antwort meines Vaters lautete: Die Sparkasse arbeite mit meinem Geld. Ich war vor Empörung sprachlos. Die Sparkasse arbeitete mit meinem Geld? Wo bitte schön war es dann hingekommen? -- Am nächsten Tag stand ich mit meinem Vater in der Schalterhalle und forderte die Sparkassenangestellten auf, mir mein Geld zu zeigen. Der Bank-“Beamte“ machte bei dem Spaß mit und zeigte mir das Innere eines Tresors, in dem Bargeld lag. Dazu meinte er, wenn ich mein Geld nicht „arbeiten“ ließe, gäbe es auch keine Zinsen – Lektion gelernt.

Auch heute, knapp 40 Jahre später, nach einem BWL-Studium und mehr als 25 Jahren in der Finanzbranche, bin ich es nicht müde, mich auch privat mit Geld zu beschäftigen. Denn Geld haben, Geld vermehren, Geld mit Sinn anlegen und verstehen macht (mir) Spaß. Aber glauben Sie nicht, ich sei so ein Geizkragen wie Dagobert Duck. „Wozu habe ich denn das ganze Geld, wenn ich es nicht ausgeben kann?“ -- das fragt sich auch der Welt reichste Ente gelegentlich. Nein, Geld per se ist nicht erstrebenswert, aber immer ausreichend Geld zu haben, um sich die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen – das ist erstrebenswert! Für Dagobert ist es das Bad im Geld, für mich die ein oder andere Reise, ein schönes Paar Schuhe, das Gefühl der finanziellen Unabhängigkeit. Auf jeden Fall hat die Begegnung mit Dagobert Duck mein Leben tief geprägt: Wer weiß, ob ich ohne ihn heute nicht einen ganz anderen Beruf hätte? Und vermutlich viel weniger Geld, denn ich würde mich nicht so gern damit beschäftigen, hätte weniger Überblick in Finanzfragen, und würde viele Chancen in der Geldanlage verpassen. Danke, Dagobert!

Autorin: Anette Rehm

 

Eine Frauengeschichte

Claudia Behringer ist Mitglied bei GELD mit Sinn und arbeitet als unabhängige Finanzmaklerin und Beraterin für nachhaltiges Investment mit der Finanzberatung MehrWert. Die Würzburgerin erlangte ihre Volljährigkeit in den 70ern, in einer Zeit, als eine Frau nur mit Genehmigung ihres Ehemanns ein Konto eröffnen durfte (das Vermögen der Gattin war laut BGB „der Verwaltung und Nutznießung des Mannes unterworfen."). Wir sprachen mit Claudia über ihren Weg von der „totalen finanziellen Abhängigkeit“ zu ihrer Tätigkeit als nachhaltige Anlageberaterin.

Viele Anlegerinnen kennen Dich als Referentin von Vorträgen wie „Vorsorge ist weiblich“, „Kluge Frauen sorgen vor“ und „Frauen leben länger, aber wovon?“ Wie kommt es, dass Du Dich so intensiv mit Frauenfinanzthemen befasst?

Frei nach den Gedanken Sören Kierkegaards „Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, aber leben muss man es vorwärts“ verstehe ich, warum manches so kommen mußte. Ich wurde 1956 geboren und war bis Mitte Dreißig in Finanzdingen völlig unbedarft. Damals war ich finanziell sehr gut situiert. Ich war mit einem verbeamteten Bauingenieur verheiratet, hatte drei kleine Kinder und war Hausfrau mit ehrenamtlichem Engagement, vor allen Dingen in ökologischer und naturheilkundlicher Richtung.

Dann kam der große Wendepunkt im Jahr 1991?

Mein Mann wollte sich als Bauingenieur selbständig machen und hat im Zuge dessen seine Verbeamtung aufgegeben , weil er sich nie als Beamte gefühlt hatte. Kurz danach ist er schwer erkrankt und weil er als Beamter keine Sozialversicherungen hatte, standen wir fünf plötzlich ohne Einkommen da. Wenn ich vorher gewusst hätte, in was für eine Abhängigkeit ich mich damals begeben hatte -!

Auf den ersten Schreck folgt meist eine Phase der Neuorientierung. Was haben Sie damals getan, um aus dieser Abhängigkeit zu kommen?

Ich habe uns zunächst mit verschiedenen Jobs über Wasser gehalten und abends viele Bücher über Finanzen gelesen. Und obwohl diese Zeit für mich sehr hart war, ging es immer voran: Ich hatte Freunde, die geholfen haben, hatte die richtigen Jobs zur richtigen Zeit und konnte immer die Rechnungen für meine Familie und mich bezahlen.

Eine Geschichte, mit der sich viele Frauen identifizieren.

Ja, eine, die Mut macht! Ich bin unheimlich dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, meine Vision wahr zu machen, nämlich Frauen in finanziellen Dingen durch Vorträge wachzurütteln und Finanzberaterin zu werden, um anderen Frauen auf dem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit zu helfen. Mein Weg ging ja weiter, so dass ich heute diese Unterstützung in Verbindung mit einer nachhaltigen Geldanlage anbieten kann. Wenn wir über dieses Thema sprechen spüren viele Kundinnen, dass sie durch die Geldanlage unendlich viel Sinnvolles bewegen können. Und gerade bei diesem Prozess tatkräftig und ganz konkret unterstützen zu können, ist für mich ein tolles Gefühl.

Wie kam es zu diesem Werdegang?

Ich habe bei meinem Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt bei einem Versicherungsmakler gejobbt und Policen verkauft, allerdings nur mit einer kaufmännischen Ausbildung. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass ich ohne Fachwissen ausgebeutet werde und eine entsprechende Ausbildung brauche. Zu dieser Zeit habe ich eine Finanzberatung kennen gelernt, der ethische Wertmaßstäbe zugrunde liegen und die sich als eine „menschenorientierte unabhängige Beratung“ versteht. Das hat mir sehr imponiert. Außerdem verfügte diese Beratungsgesellschaft über eine hauseigene Akademie, in der ich meine Ausbildung zur Fachberaterin für Finanzdienstleistungen gemacht habe, gefolgt von vielen Fortbildungen in allen Bereichen der Geldanlage.

Was war der Unterschied zu den konventionellen Anlageberatungen?

Ich konnte dort als Entscheidungshelferin und nicht als Produktberaterin handeln. Mit anderen Worten, konnte ich erst einmal meine Kunden und Ihre Lebensziele kennen lernen, um auf dieser Basis mit ihnen gemeinsam und für sie ein auf ihre Bedürfnisse und Werte hin zugeschnittenes Lösungskonzept zu erarbeiten. Außerdem konnten die Berater jederzeit auf das Wissen ihrer Kolleginnen und Kollegen zurückgreifen, was für den Kunden ein Riesenvorteil ist. Mit anderen Worten, als Beraterin vermittle ich meinem Kunden einen Überblick und hole mir aus meinem Team zusätzliches Spezialwissen, das für seine individuelle Situation nötig ist.

Nach acht Jahren sind Sie zur MehrWert Finanzberatung gewechselt.

Bei Mehrwert verfolgen wir ein ähnliches Konzept, aber wir praktizieren Nachhaltigkeit nicht nur auf der Beratungsebene, sondern auch in unserem Produktspektrum. Ich habe letztes Jahr die Ausbildung zur Fachberaterin für Nachhaltiges Investment gemacht und kann dieses Wissen gut in meine Beratung einbringen. Es gibt jedoch nicht nur nachhaltige Fonds und Beteiligungen, auch im Vorsorgebereich kann man Absicherungen auch in „grün“ bekommen.

Wie reagieren Ihre Kundinnen, wenn Sie mit ihnen über öko-soziale Geldanlagen sprechen?

Die meisten Frauen sagen mir sehr genau, worein sie nicht investieren möchten: In Kernkraft oder Gentechnik zum Beispiel. Hier haben sie mehr Klarheit als in Bezug auf die Dinge, die sie mit der Geldanlage fördern wollen.

Klären Sie sie auch darüber auf, was sie Positives fördern können?

Ja, ich kann mir glücklicherweise die Zeit nehmen, solche Fragen durchzusprechen,um mit ihnen herauszuarbeiten, worin sie am Liebsten investieren möchten. Sich Zeit für die Beratung zu nehmen, ist für mein berufliches Selbstverständnis ganz wichtig.

Viele glauben, dass Nachhaltigkeit in der Geldanlage ein kompliziertes Thema ist. Wie gehen Sie damit um?

Ich spreche lieber von „ethischen“ oder „ökologisch-sozialen“ Produkten und bringe konkrete Beispiele für ihre Nachhaltigkeit an. Wenn wir über die Unternehmen sprechen, die in einem Fonds enthalten sind, frage ich beispielsweise, ob es der Kundin wichtig ist, in einen sozial verantwortungsbewussten Arbeitgeber zu investieren. Vielfach sprechen wir auch über soziale Ausbeutung durch Unternehmen, die in der Dritten Welt stattfindet, und darüber, wie der Druck der Verbraucher hier Änderungen schaffen kann.

Wie finden die AnlegerInnen aber genau ihre „Herzens“-Investments?

Die Investitionskriterien arbeite ich mit meinen KundInnen aus, indem ich drei Handlungsstrategien bespreche, Fördern, Vermeiden und Beeinflussen:

1. Schutz von Natur und Umwelt und nachhaltige Nutzung von Naturgütern
2. Förderung von Frieden, Schutz der Menschenwürde und Kulturen
3. Kooperative, transparente Führung von Unternehmen und Staaten und wirtschaftlicher Einsatz der Ressourcen.

Eine Geldanlage kann also dazu beitragen, dass Unternehmen sozialer handeln?

Ja, und es gibt viele andere wichtige Entwicklungen in unserem Land und weltweit, die Anlegerinnen und Anleger fördern können. Wir haben mehr Einfluss als wir uns denken können. Das zu vermitteln ist meine Mission, denn mein Grundsatz ist, dass ich nicht umsonst auf dieser Welt war.

Das Gespräch führte Birte Pampel von GELD mit Sinn e.V.

 

 

Ecoanlageberater

tl_files/mediapool/bilder/EKK 250 ecoanlageberater.jpgWie viele BeraterInnen wurden bisher zum „ecoanlageberater“ ausgebildet?

Kunden der EKK profitieren von der nachhaltigen Ausrichtung der Bank, indem sie an jedem EKK-Standort in Deutschland zertifizierte Fachberater für Nachhaltiges Investment (kurz: ecoanlageberater) vorfinden. Insgesamt haben bei der EKK inzwischen 29 Mitarbeiter diese Weiterbildung absolviert. Damit haben wir an all unseren Standorten Berater, die in der Lage sind, den Markt der nachhaltigen Geldanlage zu überblicken, entsprechende Finanzprodukte sachgerecht zu bewerten und Interessenten qualifiziert zu beraten.

Warum ist ECOeffekt der Ausbildungspartner?

Träger des Fernlehrgangs ecoanlageberater ist die ECOeffekt GmbH, ein Unternehmen mit Sitz in Dortmund, das auf den Bereich nachhaltiges Investment fokussiert ist.

Die Ausbildung zum ecoanlageberater ist der einzige zertifizierte Fernlehrgang in Deutschland und steht für einen sehr hohen Qualitätsstandard. Auch die Deutsche Kommission der UNESCO misst dem Fernlehrgang große Bedeutung bei: Sie hat ecoanlageberater als eines der offiziellen Projekte der Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgewählt, die von den Vereinten Nationen für die Jahre 2005 bis 2014 ausgerufen wurde.

Wie umfassend ist die Ausbildung?

Der Fernlehrgang ecoanlageberater ist in insgesamt acht Lerneinheiten eingeteilt, sogenannten Module. Jedes Modul ist noch einmal untergliedert in bis zu sechs Kapitel, z. B. zu Themen wie „Nachhaltigkeit als Geldanlagekonzept“, „Argumente für Nachhaltiges Investment“ oder „Bewertung nachhaltiger Aktien“. Ziel des Lehrgangs ist es, Anlageberatern fundierte Kenntnisse über den Markt des nachhaltigen Investments, seine Mechanismen, die prägenden Akteure und die speziellen auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Angebote zu vermitteln. Die Ausbildung schließt mit einer dreiteiligen Prüfung ab, bestehend aus einer Hausarbeit sowie einem schriftlichen und einem mündlichen Teil.

Frau Weese, Sie sind die 250. Absolventin des Fernlehrgangs zum ecoanlageberater in Deutschland. Was schätzen Sie besonders an dieser Weiterbildung?

Die Weiterbildung hat mir viele neue Erkenntnisse vermittelt und mir gute Grundlagen für meine tägliche Arbeit in der Privatkundenbetreuung geliefert. Ich denke, dass ich hierdurch unseren Kunden in der Beratung einen guten Mehrwert liefern kann. Wir haben z. B. gelernt, dass der Kunde bei nachhaltigen Anlagen keinesfalls auf eine gute Rendite verzichten muss. Studien zeigen, dass Investitionen in nachhaltige Anlagen langfristig sogar in aller Regel mehr Erträge erwirtschaften, weil sie zukunftsorientierter aufgestellt sind.

Wie reagieren die Kunden der EKK auf das nachhaltige Beratungsangebot?

Nachhaltige Investments sind ein Thema, für das umfassende Kenntnisse erforderlich sind. Allein die Palette an als nachhaltig deklarierten Anlageprodukten steigt kontinuierlich, so dass es für Laien schwierig ist, Produkte zu identifizieren, was nachhaltige Geldanlagen sind und welchen ökologischen und sozialen Mehrwert sie leisten können. Unsere Kunden sind froh darüber, dass unsere ecoanlageberater sie bei diesen speziellen Fragen zu nachhaltigen Anlagen kompetent beraten können.

Stifter als nachhaltige Anleger: So erzielen Stiftungen noch mehr gesellschaftliche Wirkung

Wenn eine gemeinnützige Stiftung Geld gibt, dann verwendet sie dafür in der Regel die Zinsen aus der Anlage des Stiftungskapitals. Immer mehr Stiftungen erkennen jedoch, dass sie auch ihr Stiftungskapital nach sozialen oder ökologischen Werten ausrichten können. GELD mit Sinn sprach mit Henriette Berg, geschäftsführender Vorstand der Stiftung Stifter für Stifter, die seit 2003 Bürgerinnen und Bürger in ganz Deutschland bei der Gründung von Stiftungen berät und begleitet.

Die Stiftung Stifter für Stifter richtet sich an Bürgerinnen und Bürger, die eine Stiftung gründen möchten. Dieses Jahr haben Sie Ihr Angebot zum ersten Mal auf der Messe Grünes Geld vorgestellt. Mit welchem Ziel?

Wir wollen mit unserem Angebot dazu beitragen, eine Kultur des Stiftens zu schaffen, in dem wir potentielle Stifter über die Möglichkeiten informieren, die eine Stiftung für langfristiges bürgerschaftliches Engagement bietet. Die Zeitschrift ECOreporter (ein Medienpartner der Messe, Anm.d.Red.) hat mit mir kürzlich ein Interview geführt und das Gespräch hat uns überzeugt, dass nachhaltige Anleger auch am Thema Stiften interessiert sein könnten und die Messe Grünes Geld ein guter Ort ist sich darüber auszutauschen.

Wie kommt es, dass viele Stiftungen immer noch zögern, ihr Kapital nachhaltig zu investieren?

Dahinter stehen häufig ganz sachliche Gründe: Die Vorstände vieler Stiftungen arbeiten ehrenamtlich und konzentrieren sich schon aus Zeitgründen auf das, was ihre Stiftung mit ihrer Fördertätigkeit oder ihren eigenen Projekten erreichen will. Bei der Anlage des Stiftungsvermögens setzen sie sich vorrangig mit der Frage des Vermögenserhalts und möglichst kontinuierlicher Erträge auseinander. Ethische Aspekte der Anlagepolitik stehen weniger im Fokus – zumal es heute immer noch sehr aufwendig ist, sich sachkundig zu machen. Ich finde, dass Finanzdienstleister hier kundenfreundlicher sein könnten und Informationen für die Kunden besser aufbereiten und zugänglich machen sollten.

Sind also die Finanzberater daran schuld, dass sich die nachhaltigen Geldanlagen bei den kleineren Stiftungen nicht durchsetzen?

Zumindest könnten diejenigen, die sich für nachhaltige Geldanlagen einsetzen und ein Interesse daran haben, diese Produkte an Stiftungen zu verkaufen, durch entsprechende Kundenorientierung sicher mehr dazu beitragen, dass bei der Vermögensanlage von Stiftungen ethische Gesichtspunkte ein stärkeres Gewicht bekommen.

Aus Sicht von GELD mit Sinn! klingt das nach einem klassischen Henne-Ei-Problem, denn für die Berater bedeutet es einen Mehraufwand, nachhaltige Geldanlagen kompetent zu erklären. Liegt es nicht auch an den Stiftungen, nachhaltige Kapitalanlagen nachzufragen?

Ja natürlich auch. Aber wir beobachten, dass sich Stifter zunehmend für eine nachhaltige Anlage ihres Stiftungsvermögens interessieren. Unselbstständigen Stiftungen in unserer Treuhänderschaft wird eine Standardvermögensanlage angeboten. Die Mehrzahl derjenigen, die sich hierfür entscheiden, wählt die nachhaltig ausgestaltete Variante. Auf Verbandsebene gibt es Angebote an Stiftungen, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen z.B. bietet neben Fortbildung in Kooperation mit Oekom Research (eine nachhaltige Rating-Agentur, Anm.d.Red.) seinen Mitgliedsstiftungen an, ihr Portfolio kostenlos einer Nachhaltigkeitsprüfung zu unterziehen. Und auch Geld mit Sinn verfolgt ja das Ziel, das notwendige Handwerkszeug zu vermitteln, das man braucht, um sein eigenes Vermögen nachhaltig anzulegen.

Gibt es in Ihren Augen eine direkte Verbindung zwischen dem Stiftungsgedanken und einer nachhaltigen Anlagestrategie?

Wenn wir unter der „Kultur des Stiftens“ das Selbstverständnis von Vermögenden verstehen, mit ihrem Vermögen etwas für die Gemeinschaft zu tun, dann umfasst das aus meiner Sicht auch eine gesellschaftlich verantwortliche Vermögensanlage. Viele von uns haben sicher die Geschichte des Journalisten gelesen, der herausfand, dass er mit seinen Riesterrentenvertrag Anteilseigner an einer Streubombe bzw. an der Streubombenproduktion geworden war – und sich dann davon trennte. Viele werden ihm zustimmen, das dies ist kein gesellschaftlich verantwortungsvoller Umgang mit Vermögen und Alterssicherung ist. Und es zeigt aber auch, wie schnell man beim Kauf üblicher Finanzprodukte verantwortlich wird für etwas, das man gar nicht beabsichtigt hat. Das gilt in gleichem Maße auch für Stiftungen. Dass es auch anders geht, zeigen viele Beispiele, auch von kleinen Stiftungen wie Münchener Selbach-Umwelt-Stiftung , die unter dem Motto „Klein, aber konsequent“ eine konsistente Ausrichtung ihre Stiftungsarbeit verfolgt, auch bei ihrer Vermögensanlage. Und das gilt nicht nur für Umweltstiftungen. Wie Sie wissen, habe ich 2009 eine Gemeinschaftsstiftung mitgegründet – die Stiftung Schutzstation Wattenmeer. Eine Stiftung, deren Satzungszweck die Bewahrung des Welterbes Wattenmeer für künftige Generationen ist, kann ihr Stiftungskapital nur nachhaltig anlegen. Damit setzen wir uns zur Zeit auseinander. Sich als Stifter zu engagieren impliziert ein langfristiges gesellschaftliches Engagement. Das umfasst auch eine Entscheidung für eine Vermögensanlage, die dem Stiftungsanliegen nicht widerspricht. Letztlich wollen Stifter mit ihren Stiftungen gesellschaftliche Wirkung erzielen. Dies können sie mit einer entsprechenden Anlagepolitik verstärken.

Interview: Birte Pampel, GELD mit Sinn! e.V.

Henriette Berg hat zwanzig Jahre lang im Umweltschutz gearbeitet, zuletzt als Abteilungsleiterin für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft, Bodenschutz, Altlasten im Bundesumweltministerium. Der Klimawandel und der Raubbau an den natürlichen Ressourcen sind in ihren Augen die größten Herausforderungen unserer Zeit.

Die Stiftung Stifter für Stifter wird von Personen getragen, die selbst eine Stiftung gegründet haben. Mit dem Wunsch, dass sich immer mehr Menschen für die Lösung gesellschaftlicher Aufgaben engagieren, setzt sich Stifter für Stifter für eine Kultur des Stiftens ein. Die Tochtergesellschaft Stiftungszentrum.de unterstützt bereits bestehende Stiftungen mit Dienstleistungen, die von Verwaltungsaufgaben bis hin zum Fundraising reichen.

www.stifter-fuer-stifter.de und www.stiftungszentrum.de

 

Investieren in die Stadt der Zukunft

Schöne, lebenswerte Städte: In und um München, ja überall in Deutschland wurde dieses Jahr intensiv darüber diskutiert, wie wir uns die „grüne Wende“ in unseren Metropolen vorstellen. Als der Münchner Klimaherbst das UN-Dekadethema „Stadt“ als Motto aufgriff, waren die Gründerinnen der Initiative GELD mit Sinn e.V. sich schnell einig, dass sie den Münchnerinnen und Münchnern die Gretchen-Frage stellen wollten: Wie finanzieren wir die Stadt unserer Träume? Gemeinsam mit der Umwelt-Akademie e.V. veranstaltete die Initiative am 12.10.2011 in der Seidl-Villa einen Vortragsabend, auf dem über Bürger-Investments als Treiber einer nachhaltigen Stadtentwicklung diskutiert wurde.

Soziales und ökologisches Wohnen

Das Wort „Investment“ beschwört bei vielen Menschen das Bild eines Großanlegers herauf, doch der erste Redebeitrag zeigte schnell, dass auch kleine Beträge für große Hebelwirkung sorgen können: Der Finanzierungsexperte Meinrad Ettengruber von der GLS Bank sprach über nachhaltige Wohnprojekte auf Basis einer ‚Leih- und Schenkgemeinschaft’. „Stellen Sie sich darunter eine Gruppe von Freunden vor, die eine zündende Idee haben, die z.B. ein altes Industriegebäude in energieeffiziente Wohnungen umwandeln wollen. Diese Menschen suchen sich für die Finanzierung einen ‚Fanclub’ von Freunden und Verwandten, die ihnen das nötige Grundkapital – aufgeteilt in viele kleine Beträge –schenken oder zu einem festen Zinssatz leihen. Wenn sich genug ‚Fans’ finden, kommt das nötige Geld zusammen, um das Projekt auf den Weg zu bringen,“ erklärte Ettengruber. Die GLS-Bank unterstützt die Gemeinschaft mit Know-how und streckt später das Darlehenskapital vor, mit dem das Projekt „angeschoben“ wird. „Auf diese Weise werden bereits Wohnprojekte, Kindergärten und Schulen finanziert,“ fasst Ettengruber zusammen.

Energiewende mit und für Stadtbürger

Wie Bürgerinnen und Bürger den Ausbau einer ökologischen Energieversorgung fördern können, darüber sprach Martin Betzold, Prokurist der Green City Energy GmbH. Das aufstrebende Münchner Energieunternehmen entwickelt Solar-, Biogas- und Windparks und wirbt für diesen Zweck von Privatanlegern Eigenkapital in Form von Beteiligungen und Genussrechten ein. Das bekannteste Erfolgsbeispiel ist das Münchner Praterkraftwerk, das von Green City Energy gemeinsam mit den Münchner Stadtwerken entwickelt wurde und an dessen Finanzierung sich im Rahmen des Kraftwerkspark I rund 1.000 Anlegerinnen und Anleger beteiligen. Gegründet wurde der alternative Energiedienstleister im Mai 2005 als hundertprozentige Tochter der Umweltorganisation Green City e.V. „Wir wollten schon damals die Energiewende und weil es uns damit nicht schnell genug ging, haben wir es einfach selber gemacht“, berichtet Betzold, der den Aufbau von Green City Energy begleitet hat. “An den weit über 200 umgesetzten Projekten haben sich mehr als 3.000 Menschen beteiligt und dadurch Investitionen von rund 150 Mio. Euro in Erneuerbare Energien ausgelöst. Aktuell können sich Anleger am Solarpark Deutschland 2011 beteiligen und mit dieser sachwertorientierten Geldanlage 6,15 % ökologische Rendite erzielen." Mit dem Bau wirtschaftlich und ökologisch leistungsfähiger Kraftwerke wollen wir die Demokratisierung und Dezentralisierung der Energieversorgung in Deutschland vorantreiben", fasst Martin Betzold zusammen.

Während die meisten Erneuerbare-Energien-Projekte auf einem Acker oder einer Brachfläche entstehen, geht es bei der Solarinitiative München GmbH & Co. KG um Energie von den Dächern der Stadt. Geschäftsführer Harald Will beschrieb die Entstehung der Solarinitiative, die von der Grünen-Stadträtin Sabine Nallinger initiiert wurde. Erste Gesellschafter der privatwirtschaftlich organisierten Organisation wurden auf Stadtratsbeschluss hin die Stadtwerke mit 95 Prozent und die Stadt München mit 5 Prozent, weitere Gesellschafter haben ihre Bereitschaft signalisiert, mitzumachen. „Die Idee ist es, die ganze Stadtgesellschaft mitzunehmen und Eigentümer von Dächern aller Größen dazu zu bewegen, auf diesen Photovoltaik-Module zu installieren."

Grüne Mobilität

„Die wichtigste Investition ist der Menschenverstand“ – mit diesem Motto begann Öko-Pionier Fritz Lietsch seinen Vortrag, eine Reise der Möglichkeiten rund um das Thema Grüne Mobilität. Münchens „dienstälteste Fahrer von Elektromobilen“ sprach von Mega-Cities in Südamerika, in denen Bürger bewaffnet mit schwarzer Farbe und Pinsel eine Radlspur von der Fahrbahn abzwackten, von Kongress-Fahrgemeinschaften und neuen Mobilitätskonzepten aus Bürgerhand. Viele dieser Projekte würden auch ohne die Mitwirkung von Großkonzernen für sinnvolle und saubere Fahrgelegenheiten sorgen, wie z.B. die E-Mobility-Experten von Smiles www.smiles-world.de, die seit Monaten mit dem CityEL (260 kg Gewicht inklusive Lithiumbatterie) von sich reden machten. „Warum soll ich zwei Tonnen Metall in Bewegung setzen, für eine Frau die gerade mal 50 Kilo wiegt?“, fragte der Öko-Unternehmer in die Runde und schloss enthusiastisch mit der Einladung: „Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf!“

Die Stadt nachhaltig ernähren

Eine nachhaltige Stadt kann ohne Essen nicht lange existieren – deshalb sprach Jörn Wiedemann von der Regionalen Wirtschaftsgemeinschaft (ReWiG) über die nachhaltige Lebensmittelproduktion, eines von vielen zukunftsweisenden Themen, mit denen sich die ReWiG befasst. „Wir setzen uns dafür ein, regionale Wirtschaftskreisläufe zu fördern, in denen Verbraucher und Produzenten sich persönlich kennen und gegenseitig stützen,“ beschrieb Wiedemann die Idee hinter der ReWiG, die der Vermögensberater Anfang 2010 mit einer Gruppe von Gleichgesinnten gegründet hatte. Wiedemann berichtete über einen Gärtner in Olching, dem der Hagel die Gewächshäuser zerschlagen hatte und der sich das Geld für neue Glasscheiben mittels Genussscheinen von seinen Kunden lieh. „Die Kunden haben mitgemacht, weil sie den Gärtner persönlich kannten und weil sie Wert darauf legten, von ihm auch in Zukunft mit Gemüse beliefert zu werden“, erklärte Wiedemann die ungewöhnliche Finanzierungsaktion. In seinem Vortrag ging er auch auf die Frage ein, wie München sein Gemüse, Obst und andere Nahrungsmittel aus dem Umland beziehen könnte. Die Mehrheit der Lebensmittel in den Münchner Supermärkten wird von weither herangekarrt — auch solche, die in der Region produziert werden. Die ReWiG plant mit den Geldern ihrer Anleger mittelfristig landwirtschaftliche Betriebe zu erwerben und hat zu diesem Zweck eine Genossenschaft gegründet, die in wenigen Monaten auf 70 Anleger angewachsen ist.

„Investieren in die Stadt der Zukunft“: Dieser Abend inspirierte das Publikum in der Seidvilla zu zahlreichen Fragen und sorgte für positive Aufbruchstimmung bis in die letzten Reihen. An Handlungsmöglichkeiten mangelte es nicht: Wir haben in kurzer Zeit ein Füllhorn an Unternehmen und Projekten kennen gelernt, die maßgeblich zum grünen Wandel der Stadt beitragen und die uns viele Möglichkeiten bieten, diesen Wandel mit zu gestalten -- als Mitglieder, Kunden und Bürger-Anleger.

Birte Pampel, GELD mit Sinn e.V.

 

Finanzberatung für Frauen - Auf eine Bionade mit Helma Sick

Sie haben schon über nachhaltige Geldanlagen aufgeklärt, als diese für die meisten Menschen noch ein Fremdwort waren: Frauenfinanzberatungen. Helma Sick gründete vor 23 Jahren eine der ersten unabhängigen Finanzberatungen speziell für Frauen. Mit GELD mit Sinn sprach die Finanzexpertin über die Macht der Anlegerinnen und Anleger, die Transparenz in der Beratung sowie die Notwendigkeit von Finanzbildung.

Nur wenige kennen und verstehen so gut wie Sie, was Frauen beim Thema Geld bewegt. Was hat sich hier in den letzten zehn Jahren verändert?

Immer mehr Frauen kümmern sich aktiv um Ihre Finanzen und möchten damit ihre Unabhängigkeit sichern. Vor 10 Jahren kümmerten sich Frauen häufig erst mit über 40 um ihre Finanzen, meist nach einem gravierenden und schmerzhaften Einschnitt. Heute beginnen sie schon mit Ende 20 sich dafür zu interessieren. Männer beginnen allerdings schon mit Anfang 20. Er wäre wichtig, wenn auch Frauen in diesem Alter starten würden. Denn verlorene Jahre beim Sparen sind schwer aufzuholen.

Wie sind Sie vor 23 Jahren auf die Idee gekommen, eine Finanzberatung speziell für Frauen zu gründen?

Ich habe mich von Jugend an für die Situation von Frauen und deren Emanzipation interessiert. Viel Erfahrung im Umgang mit Frauen machte ich während meiner Tätigkeit im Sozialbereich. In meiner Elternzeit habe ich mir dann Gedanken gemacht, was mir wirklich am Herzen liegt und wo meine Stärken sind. So kam ich auf die Idee eine Finanzberatung für Frauen zu gründen. Im Mittelpunkt sollte nicht der Produktverkauf stehen, sondern das was die Frau aufgrund ihrer Lebenssituation und ihrer persönlichen Ziele braucht. Männliche Finanzberater guckten mich wegen meiner Pläne mit großen Augen an. Dies kann ich bis heute nicht nachvollziehen, schließlich sind Frauen ja keine Randgruppe, sondern machen 51 Prozent der Bevölkerung aus. Ich war überzeugt, dass es hierfür einen enormen Bedarf gibt und der Erfolg gab mir Recht.

Wie definieren Sie "Erfolg" in Bezug auf Anlegerinnen?

Erfolg ist, wenn sich Frauen gerne mit dem Thema Geld beschäftigen und mit der Altersvorsorge vor 50 beginnen. Leider denken viele Frauen erst sehr spät daran, um sich um diese Dinge zu kümmern. Dabei sollte mit der Altersvorsorge am besten schon in jungen Jahren begonnen werden.

Nehmen Sie „nur“ Frauen als Kundinnen?

Nein, etwa ein Drittel unserer Kunden sind Männer. Zu dieser Kundenbeziehung kam es meistens über Empfehlungen.

Was sind in Ihren Augen die Kriterien für eine transparente Finanzberatung und was müsste passieren, damit die Transparenz im Finanzsystem zunimmt?

Chancen und Risiken sowie die Kosten müssen bei einer transparenten Beratung auf den Tisch. Zudem sollen die Kundinnen wissen, warum ich ihnen ein bestimmtes Produkt empfehle und nicht ein anderes, so dass diese dann unabhängig von mir entscheiden können.

Kunden können die Transparenz im Finanzsystem aktiv einfordern. Wenn viele Kunden dies tun und bei fehlender Resonanz ihr Geld bei anderen Instituten anlegen, werden diese Unternehmen die Transparenz schnell erhöhen. Es liegt also in unserer Hand.

Wir verfolgen Ihre Kolumne in der "Brigitte" seit vielen Jahren. Wie haben Sie es geschafft, inspiriert und motiviert zu bleiben?

Die Leserinnen motivieren mich kontinuierlich. Es ist sehr wichtig für mich, ihr Feedback und ihre Fragen zu bekommen und diese zu beantworten. Auf diese Weise bleibe ich immer auf dem aktuellsten Stand und weiß, was Frauen in Finanzdingen gerade bewegt. Sie auf diesem Weg zu begleiten freut mich sehr.

Was hat es für Sie bedeutet, aus dem Einzelunternehmen eine GmbH zu machen und Ihre Nichte, Renate Fritz, an Bord zu holen?

Renate Fritz arbeitete zu diesem Zeitpunkt schon lange in meinem Unternehmen. Sie ist hervorragend ausgebildet und hat Freude am Umgang mit der Materie und mit Menschen. Wir teilen uns die Geschäftsführung und das ist für mich eine große Erleichterung, weil nicht mehr die gesamte Verantwortung an mir hängt.

Geld mit Sinn glaubt, dass Frauen für Themen wie öko-soziales Investieren besonders offen sind. Wie hoch ist die aktive Nachfrage nach solchen Produkten/Anlagestrategien in Ihrer Beratungspraxis?

Das Thema ist für viele Frauen wichtig und wird immer wichtiger. Frauen möchten eben nichts unterstützen, was sie sonst ablehnen. Zahlreiche Frauen die erstmals zu uns in die Beratung kommen, erzählen glücklich und stolz, dass sie bereits in nachhaltige Fonds investieren. Häufig ist allerdings an diesen Produkten nur der Name nachhaltig und die Frauen werden bewusst getäuscht. Daher ist es immer wichtig, sich genau anzuschauen, in welche Unternehmen der einzelne Fonds investiert.

Wie hoch schätzen Sie das Wissen in Finanzfragen ein? Brauchen Anleger Finanzbildung?

Viele Menschen sind in Finanz- und Wirtschaftsfragen Analphabeten. Es ist schade, dass dieses Wissen nicht in der Schule vermittelt wird. Doch ich bin auch der Meinung, dass man die Anleger nicht mit Detailwissen überfordern darf, sonst verlieren sie die Lust sich damit zu beschäftigen. Dafür gibt es Berater. Ich repariere ja auch mein Auto nicht selbst. Mindestens ebenso wichtig wie Finanzbildung ist es, die Leute zu befähigen, gute und schlechte Berater zu unterscheiden. Solange sie dies nicht können, ist ein Basiswissen unerlässlich. Wie heißt es so schön, Vertrauen ist gut – Wissen ist besser.

Woran kann die Anlegerin denn gute und schlechte Berater unterscheiden?

  • Einschlägige Ausbildung und im Optimalfall langjährige Beratungserfahrung
  • Gute Berater rufen keine wildfremden Menschen an und drücken Ihnen Termine auf

  • Die Beratung findet nicht im Wohnzimmer, sondern in Büroräumen statt

  • Die Kundin steht im Mittelpunkt und nicht das Produkt: Am Anfang jeder Beratung stehen ganz viele Fragen über ihr Leben, ihre Zukunftspläne, ihre finanzielle Situation, ihre Wünsche…

  • Empathie, da eine gute Beratung auf Vertrauen basiert und man die Wünsche und Sorgen der Kundinnen kennen sollte

  • Der Berater sollte auf jeden Fall eine Vermögensschadenshaftpflicht-Versicherung haben

  • Aufschlussreiche Homepage

Liebe Frau Sick, wir danken Ihnen für das Gespräch!
Das Interview führten Heidi Geisler und Birte Pampel

 

Was sind eigentlich Unternehmensbeteiligungen?

Eine Unternehmensbeteiligung ist, ganz einfach und trocken ausgedrückt, der Besitz von Anteilen an einem Unternehmen. Die bekannteste Form ist sicher die Aktie. Weniger bekannt, und aufgrund einiger „schwarzer Schafe“ auch leicht verrufen ist die Unternehmensbeteiligung in Form von geschlossenen Fonds. Wissen schafft Macht, wenn man dagegen etwas nicht kennt, hat man oft Angst davor oder erwartet etwas ganz anderes. So geht es vielen Anlegern auch mit geschlossenen Fonds / Beteiligungen. Deshalb wollen wir einmal kurz und knapp diese Anlageform vorstellen:

Was ist ein geschlossener Fonds?

Um einzelne Projekte, wie z.B. Windparks, Solaranlagen, Einkaufszentren oder auch Schiffe zu finanzieren, werden diese geschlossene Fonds aufgelegt. Das "geschlossen" bedeutet, man kann nur innerhalb eines begrenzten Zeitraumes "zeichnen". Ist das für die Projektrealisierung benötigte Investitionsvolumen erreicht, wird der Fonds geschlossen. Alle Details zum Investitionsvorhaben werden in einem Verkaufsprospekt dargestellt. Dieser wird bei der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) eingereicht; die Veröffentlichung muss durch die BaFin genehmigt werden.

Der Erwerber eines Anteils an einem geschlossenen Fonds wird Unternehmer (Kommanditist, da die Rechtsform des Unternehmens in der Regel eine Kommanditgesellschaft / KG ist) mit entsprechenden Chancen und Risiken. Mit der Beteiligung sind für den Anleger Teilnahme und Stimmrechte in den Gesellschafterversammlungen sowie Gewinnrechte verbunden.

Hier liegt auch ein großer Unterschied zu den klassischen Bankprodukten wie Sparbriefen oder Festgelder – der Anleger gibt der Bank oder Sparkasse sein Geld, kann aber nicht mitbestimmen, wie das Kreditinstitut das Geld verwendet. Wie funktioniert eine Geldanlage in Beteiligungen?

Mit dem Eigenkapital werden die bis dahin angefallenen Kosten (z. B. Emmissionskosten) gedeckt. Im Anschluss beginnt üblicherweise die Umsetzung des vorgesehenen Projektes, z.B. des Solarparks. Normalerweise wird neben dem Eigenkapital auch Fremdkapital (in Form von Bankkrediten) eingesetzt. Die Fremdkapitalquote ist abhängig von der Beteiligungsanlage.

Ziel der Beteiligung ist es natürlich, Erträge für die jährlichen Ausschüttungen zu erwirtschaften. Diese Ausschüttungen werden vorher geplant, stehen aber nicht fest und sind garantiert wie bei einem Bank-Anlageprodukt. Sie können höher oder niedriger ausfallen als prognostiziert.

Die Mindestanlagesumme beträgt häufig 10.000 Euro, i.d.R. zuzüglich Aufgeld (Agio genannt, meist 5 % der Anlagesumme). Die Anlagedauer ist langfristig ausgelegt und liegt meist um die 20 Jahre.

Solche geschlossenen Fonds werden nicht wie Aktien oder offene Fonds an der Börse gehandelt, man kann also während der Laufzeit seine Beteiligung nicht schnell verkaufen. Auch gibt es derzeit noch keinen geregelten Zweitmarkt, wohl aber einige Handelsblattformen im Internet. Am Ende der vorgesehenen, geplanten Laufzeit wird das finanzierte Objekt (das Schiff, der Solarpark usw.) verkauft, und aus dem Erlös die Schlussausschüttung an den Anleger vorgenommen.

Chancen und Risiken

Die Chancen solcher Unternehmensbeteiligungen sind einfach – Anleger profitieren von der Entwicklung des Unternehmens. Ist die besser als geplant, dann wird auch mehr ausgeschüttet. Ist sie allerdings schlechter, dann kann es auch mal weniger geben. Eine Zinszahlung dagegen steht fest.

Zweite Chance: Anleger können mitreden. Das heißt, man kann Einfluss auf die Unternehmenspolitik und –entwicklung nehmen. Sei es als Aktionär auf der Hauptversammlung, sei es als Kommanditistin bei einem Solarfonds. Dabei gilt: je weniger Anteile es insgesamt gibt, desto größer ist der Einfluss des einzelnen Anlegers.

Dritte Chance: Man weiß genau, wo das eigene Geld hinfließt. Meist kann man „sein Schiff“, „meinen Windpark“ sogar besuchen. Bei einem Festgeld arbeitet die Bank ja mit dem Geld des Anlegers – um herauszufinden, wohinein sie es investiert, muss man schon die genaue Übersicht der Kreditvergaben und Beteiligungen der Bank einsehen (was häufig gar nicht veröffentlicht wird). Für Anleger und Anlegerinnen, die nachhaltig investieren wollen, also ein großes „schwarzes Loch“.

Risiken gibt es bei Unternehmensbeteiligungen naturgemäß höhere als bei einem Banksparprodukt. Bei letzterem kann die Bank pleite gehen, dann greift noch die staatliche Einlagensicherung. Eine Unternehmensbeteiligung ist nirgends abgesichert. Aber: Der Gegenwert in Form der Solaranlage, des Schiffes, der Immobilie ist ja noch vorhanden, und kann zur Not „versilbert“ werden.

Fazit

Anleger sollten nicht vor dieser häufig unbekannten Anlageform zurückschrecken. Es ist wie der Vergleich Äpfel mit Mangos: Dem einen schmecken die Äpfel, dem anderen Mangos, beide sind zwar Früchte, aber eigentlich grundverschieden. Das höhere Risiko bei Unternehmensbeteiligungen wie geschlossenen Fonds wird durch eine höhere jährliche Ausschüttung aufgewogen. Risikoaverse Anlegerinnen bleiben bei Banksparprodukten, alle anderen können sich genau informieren, vergleichen und dann auch mal – mit einem kleineren Einstiegsbetrag – nachhaltige geschlossene Fonds zeichnen.

Autorin: Anette Rehm, Gründungsmitglied von Geld mit Sinn 

Hinweis der Redaktion von GELD mit Sinn!: Unternehmensbeteiligungen sind für Anlegerinnen und Anleger sinnvoll, die ihre finanzielle "Grundversorgung" (Altersvorsorge, Versicherungen etc.) bereits abgedeckt haben und über Geld verfügen, auf das sie für einen längeren Zeitraum verzichten können.

 

Finanzberatung geht auch nachhaltig: Die MehrWert GmbH

Der Markt für nachhaltige Geldanlagen wächst und gedeiht. Doch gleichzeitig gibt es in Deutschland nur wenige Berater, die sich in der grünen Geldanlage umfassend auskennen. Nun hat sich in Süddeutschland ein unabhängiges Beratungsunternehmen gegründet, das Anlegern nicht nur auf der Produktseite, sondern auch in der Beratung Nachhaltigkeit verspricht. GELD mit Sinn sprach mit Gottfried Baer, dem Gründer der MehrWert GmbH für Finanzberatung.

Sie sind in Bamberg aufgewachsen und haben ursprünglich ein Studium der Agrar-Ingenieurswissenschaften absolviert. Wie sind Sie von der Landwirtschaft auf die Finanzberatung gekommen?

Als ich noch im Studium war, habe ich eine Firma gegründet, die ein ökologisches Unkrautunterdrückungsmittel bis zur Marktreife entwickelt und verkauft hat. Kurz danach absolvierte ich in der landwirtschaftlichen Abteilung der DG Bank in München ein sechsmonatiges Praktikum. Das gab mir damals den Anstoß mich auch beruflich mit dem Thema Finanzen zu beschäftigen.

Seit 1995 sind Sie als Finanzberater aktiv. Seit wann beraten Sie mit dem Fokus Nachhaltigkeit?

Ich habe 15 Jahre, davon die letzten Jahre in der Geschäftsleitung, bei einem Finanzberatungsunternehmen mittlerer Größe gearbeitet, bei dem ethische Werte und eine von Werten begleitete Beratung im Vordergrund stehen. Dort hat mir jedoch die praktische Umsetzung gefehlt. So wurden zwar Qualitätsprodukte eingesetzt, die in ökologischer und ethischer Hinsicht aber nicht unbedingt nachhaltig ausgerichtet waren. – Explizit mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftige ich mich seit mehreren Jahren intensiv. In diesem Zusammenhang absolvierte ich auch eine Ausbildung zum zertifizierten Anlageberater für nachhaltiges Investment.

Sie haben vier Kinder, die in einem kleinen Ort bei Bamberg aufwachsen. Ist das Thema Finanzen oder Geld auch am Familientisch ein Thema?

Ab und an schon. Dabei freilich in anderer Weise als in meinem beruflichen Kontext, denn meine Kinder haben bislang nur eine grobe Vorstellung davon, was genau ich mache. Was sie allerdings bereits verstehen ist, dass Unternehmen einen Einfluss auf den Zustand unserer Umwelt ausüben, und zwar im positiven wie im negativen Sinne.

Was möchten Sie Ihren Kindern in Gelddingen auf den Weg mitgeben?

Hierbei sind mir drei Dinge wichtig: Dass sie selbstverantwortliches Handeln mit Geld lernen und spüren, welche Bedeutung Geld hat. Und dass sie erkennen, dass Geld nicht selbstverständlich da ist, sondern dass man etwas dafür tun muss, damit es da ist. Außerdem sollen sie wissen, dass sie mit Geld auch Gutes und Sinnvolles bewirken sollen. In unserer materialistisch geprägten Welt vergessen wir schnell, dass wir zu den fünf Prozent der Menschen auf dieser Erde zählen, die im Wohlstand leben. Viele Menschen sind auf unsere Hilfe angewiesen.

Was machen die Berater der MehrWert GmbH für Finanzberatung anders als klassische Finanzberater?

Unsere Unternehmenspositionierung „Ethik und Nachhaltigkeit“ bildet die Grundlage dafür, die Anliegen unserer Mandanten im Auge zu haben.

Nachhaltigkeit in der Finanzberatung bedeutet für uns:

  1. Der Mandant weiß, dass er banken- sowie versicherungsunabhängig beraten und begleitet wird. Der Berater und sein Mandant treffen sich in regelmäßigen Abständen, um zu besprechen, was zu optimieren und/oder zu ergänzen ist.
  2. Der Mandant erhält eine ganzheitliche Beratung, die von seinen Vorstellungen, von seiner Lebensplanung ausgeht. Damit das Kundenkonzept höchsten Qualitätsansprüchen entspricht, erarbeiten wir dieses in einem Team, in dem die Beraterexperten ihr Wissen und ihre Erfahrungen für unsere Mandanten bündeln. Ein einzelner Berater kann dies in der Weise nicht leisten.
  3. Die Produkte, die unsere Mandanten erhalten, sind nachhaltige Qualitätsprodukte von namhaften Anbietern. Wir sind davon überzeugt: Jeder Anleger hat eine Stimme und kann mit seiner Geldanlage oder Altersvorsorge ein Stück weit mit entscheiden, wie die Welt von morgen aussehen wird. Wir als „MehrWert“ tragen dazu bei, dass mit ethisch, ökologisch und ökonomisch ausgerichteten Finanzprodukten die Gelder in zukunftsorientierte Projekte und Maßnahmen fließen.

Sollte nicht jede Finanzberatung so arbeiten?

Ja, denn unser Beratungsansatz ist eigentlich selbstverständlich und logisch. Meiner Ansicht nach müssen die Mandanten im Zentrum stehen. Für sie wird es immer schwieriger, fundierten und ehrlich gemeinten Rat in Sachen Finanzen zu erhalten. Die meisten Beratungsmodelle und -ansätze sind konzerngesteuert und systembedingt auf die Vertriebsoptimierung abgestimmt. Die Menschen, damit meine ich die Berater und Mandanten, rücken dabei häufig in den Hintergrund – also gerade diejenigen, die im Vordergrund stehen sollten.

Aber auch in der unabhängigen Finanzberatung hat es Missbrauchsfälle gegeben. Woran können Anleger einen freien Berater erkennen, der oder die vertrauenswürdig ist
?

Hier gibt es freilich mehrere Ansatzpunkte. Lassen Sie mich ein paar wesentliche nennen: Grundsätzlich muss der Berater oder die Beraterin ganzheitlich und konzeptionell arbeiten. Ein guter Berater kommt zum Mandanten mit einem „weißen Blatt Papier“, d.h. er kommt ohne Produktangebot in der Tasche. Abgesehen davon wird ein guter Berater mit dem Mandanten zunächst nur über seine Erfahrungen und Erwartungen in den Bereichen Geldanlage oder Altersvorsorge etc. sprechen. Schließlich muss der Berater als Grundlage für eine gute Finanzplanung mit dem Mandanten ausführlich dessen Lebensplanung besprechen.

Text: Birte Pampel, GELD mit Sinn

 

Der Stoff, aus dem mein Fonds ist: Einblicke in die Arbeit einer Nachhaltigkeits-Ratingagentur

Der nachhaltige Finanzmarkt ist transparenter als viele Außenstehende glauben. Denn besonders die großen, börsennotierten Unternehmen werden im nachhaltigen Finanzmarkt strengen Kontrollen unterzogen. Spezialisierte Rating-Agenturen prüfen, wie stark sich die in Fonds aufgeführten Unternehmen an ihr Nachhaltigkeitsversprechen halten. Anders als klassische Rating-Agenturen tun sie dies unabhängig und auf eigene Initiative.

Klaus Hintze runzelt die Stirn. Circa dreißig Unternehmen befinden sich in seinem Nachhaltigkeitsfonds, die meisten davon sind ihm namentlich nicht bekannt. Wie kann er als privater Investor prüfen, ob diese Unternehmen wirklich so nachhaltig sind wie der Fondsname andeutet? Seit der BP-Katastrophe fühlen sich viele in nachhaltige Investmentfonds investierte Anlegerinnen und Anleger in solchen Fragen verunsichert. Ein Stück Sicherheit kann hier die Arbeit von nachhaltigen Rating-Agenturen vermitteln.

Eine dieser Prüfinstanzen ist die oekom research aus München. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, börsennotierten Unternehmen auf den Zahn zu fühlen, die in nachhaltigen Fondsprodukten auftauchen. oekom research beschäftigt zu diesem Zweck ein kleines Heer von Analysten, insgesamt knapp 30, welche die soziale und ökologische Leistungskraft von Unternehmen überprüfen. Insgesamt analysieren und bewerten sie 3.000 Unternehmen; ihre Ratings beeinflussen ein Anlagevolumen von rund 90 Milliarden Euro. „Da ist überall oekom research drin“, sagt Rolf Häßler, Head of Corporate Communications von oekom research, und deutet auf eine lange Liste von nachhaltigen Fonds.

In erster Linie zählen institutionelle Investoren zum Kundenkreis der Agentur. Welchen Wert ihre Aussagen jedoch auch für private Anlegerinnen und Anleger haben, das verdeutlicht ein Blick in den Forschungs- und Analyse-Prozess der Rating-Agentur. Die Ausgangsbasis ist ein umfassender Kriterienkatalog, in dem die mehr als 500 ökologischen und sozialen Bewertungskriterien der Agentur festgelegt sind: Wie gut haushaltet das Unternehmen mit seinen Rohstoffen? Wie geht es mit seinen Mitarbeitern um? Wie sichert es sich gegen betriebsbedingte Umweltkatastrophen ab? Mit Hilfe dieser branchenspezifisch angewendeten Kriterien durchleuchten die Analysten von oekom research jedes Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dabei prüfen sie nicht nur die Nachhaltigkeitsberichte der Unternehmen, sondern stützen sich unter anderem auch auf Informationen aus öffentlichen Datenbanken und auf Medienberichte. Darüber hinaus greift die Rating-Agentur auf die Arbeiten von unabhängigen Beobachtern aus Nichtregierungsorganisationen wie zum Beispiel Amnesty International und Transparency International, um sich laufend über Verstöße gegen soziale oder ökologische Standards zu informieren. Immer feinmaschiger und umfassender wird das Instrumentarium der nachhaltigen Rating-Agenturen: Wurden vor einigen Jahren nur die Geschäftsfelder der Unternehmen kritisch betrachtet (wie zum Beispiel Tabakprodukte oder Rüstungstechnologien), so werden heute immer häufiger auch die Zulieferer der Unternehmen einer kritischen Prüfung unterzogen.

Von den 3.000 analysierten Unternehmen landen am Ende des Ratingsprozesses gerade einmal 500 auf der Liste derjenigen Unternehmen, die oekom research als “prime“ bewertet. Die Auswahl verläuft nach dem Best-in-Class-Prinzip, d.h. nur die Nachhaltigkeitsführer einer Branche werden für die Aufnahme in einen nachhaltigen Investmentfonds empfohlen. Das Verfahren gilt bei manchen nachhaltigen Anlegern als umstritten, da es auch Branchen wie Ölindustrie oder Energiekonzerne berücksichtigt. Die Befürworter argumentieren, dass auch die „Umweltsünder“-Branchen dazu bewegt werden müssten, so nachhaltig wie möglich zu wirtschaften. Rolf Häßler erklärt: „Beim Best-in-Class-Ansatz geht es darum, innerhalb einer Branche einen Wettbewerb um mehr Nachhaltigkeit anzuregen. Ich glaube, dieses Prinzip funktioniert bei einer Vielzahl von Unternehmen sehr gut, denn es wird zunehmend attraktiver und wichtiger für sie, dass sie in den besten Nachhaltigkeitsindizes aufgeführt sind.“

Wer zu den Nachhaltigkeitsbesten zählt, interessiert vor allem die Emittenten der nachhaltigen Fonds sowie Investoren: große institutionelle Anleger wie z.B. kirchliche Einrichtungen, Stiftungen und Pensionskassen, aber auch Banken und große Vermögensverwaltungen. Wenn ein Kunde sich mit oekom research über die Zusammenstellung eines Fonds oder eines Anlageportfolios berät, dann werden zunächst die individuell gewünschten Nachhaltigkeitskriterien ermittelt. Für 90 Prozent der Kunden sind Rüstungsgüter, Menschenrechtsverletzungen und Arbeitsschutz zentrale Kriterien für den Ausschluss von Unternehmen, die es bei der Auswahl der Fonds zu berücksichtigen gilt. Darüber hinaus werden aus den restlichen Branchen die jeweils nachhaltigsten Unternehmen ausgewählt. Da sich Unternehmenspraktiken und Geschäftsfelder laufend ändern, erhalten die Fondsmanager von oekom research monatliche Berichte, in denen die Veränderungen im sozio-ökologischen Verhalten der ausgewählten Unternehmen aufgeführt sind. Größere Verstöße gegen die unternehmenseigenen Nachhaltigkeitsversprechen werden von den Rating-Agenturen abgemahnt; reagiert das Unternehmen nicht auf die Mahnung, so wird es teils auf Jahre von den Auswahllisten der Fondsmanager verbannt. Das Unternehmen BP beispielsweise, das im Frühjahr 2010 über Monate hinweg wegen des Unfalls der Ölplattform Deepwater Horizon in den Schlagzeilen war, hatte bei oekom research noch nie den „prime“-Status erzielt.

Auch wenn die Kunden von oekom research in der Regel aus dem institutionellen Bereich kommen, dürfte eines deutlich geworden sein: Die Arbeit einer Nachhaltigkeits-Ratingagentur fördert letztlich auch die Investmententscheidung von Privatanlegern. Denn Herr Hintze und andere potenzielle Käuferinnen und Käufer von Investmentfonds können jedem Fondsprospekt entnehmen, welche Rating-Agentur die Unternehmen in diesem Fonds untersucht und bewertet hat. Und sie wissen so, dass die Unternehmen in dem betreffenden Fonds ein umfassendes Prüfsystem durchlaufen haben. Rolf Häßler fasst zusammen: „Die Anleger sollten prüfen, wie die Rating-Agentur Nachhaltigkeit definiert und ob diese Definition mit den eigenen Kriterien übereinstimmt. Ist dies der Fall, dann kann der Anleger gezielt nach Fondsprodukten suchen, die auf solchem Research basieren.“

Autorin: Birte Pampel, redaktion@geldmitsinn.de

Auf www.oekom-research.de erhalten interessierte Anlegerinnen und Anleger tiefgründige Einblicke in die Nachhaltigkeit von Kapitalanlagen und Unternehmen, Branchen und Staaten. Einige der Inhalte sind für Privatanleger kostenfrei, zum Beispiel die ›› „oekom Corporate Responsibility Review 2011“.

 

Anleger wollen auch in Bildung und Gesundheit investieren

Kerstin Rühl, 45, zahlt seit einem Jahr in eine „Bildungsversicherung“ ein. Diese Vorsorgemaßnahme ermöglicht es ihr, mit 55 ein Jahr Auszeit von ihrem Beruf zu nehmen und sich ganz ihrem Hobby zu widmen, dem Schreiben von historischen Romanen. Ihr Nachbar, der Grundschullehrer Thomas Widmer, wird seine Bildungsversicherung dazu nutzen, um nach seiner Pensionierung sein eigenes Unternehmen zu gründen. Zukunftsmusik?

Nicht für den Zukunftsforscher Matthias Horx. Gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) hat er erforscht, wie eine Altersvorsorge aussehen müsste, die den Bedürfnissen der zukünftigen Senioren (heute 21 Millionen 60-Jährige, 29 Millionen bis 2030) in einer anspruchsvollen und gesundheitsbewussten Wissensgesellschaft entspricht. Finanzielle Sicherheit im Alter ist demnach nicht das einzige Ziel der Menschen, die heute an ihr Alter denken. Anleger betrachten zunehmend auch ihre Bildung und ihre Gesundheit als eine Investition, die für die früh vorgesorgt werden muss, so das Ergebnis der Studie DIA-Studie „Zukunftstrends in der Altersvorsorge von morgen“.

Aus Sicht der Autoren wird sich die Finanzwirtschaft mit ihren Vorsorgeprodukten den häufigen Veränderungen in Lebenssituationen und Erwerbsleben anpassen müssen, statt nur mit althergebrachten Standardprodukten zu operieren. So werden ganzheitliche Lösungen von den Kunden gefordert, welche die finanzielle Vorsorge mit der Absicherung von Bildung, Gesundheit und Wohlergehen aus einer Hand ermöglichen. Dabei wird Bildung als lebenslanges Lernen zu einem vorrangigen Ziel auch der Vorsorge für den Einzelnen und die Gesellschaft – und somit Bildungsfinanzierung zu einer weiteren Kernaufgabe der Finanzwirtschaft. Neue Bildungssparverträge oder lebenslange Bildungsversicherungen (Finanzierung von Studium, Sabbatjahr oder Altersexistenzgründung) werden zu gefragten Investments. Gesundheit, körperliches und seelisches Wohlbefinden wird zur zusätzlichen Säule der Altersvorsorge. Gesundheitssparverträge, die körperliche Fitness und Gesundheitsservices absichern, werden das Angebot erweitern.

Die Studie hebt auch hervor, dass sich Lebensstil, Investitionsverhalten und Lebensziele älterer Menschen deutlich verändern. Sie sind weiterhin an Gesundheit und persönlichem Wohlbefinden orientiert, aber konsumfreudiger und offen für Neues. Sie wünschen sich ein ganzheitliches Zukunftsmanagement, das neben der klassischen Altersvorsorge Gesundheits- und Bildungsinvestitionen einschließt. Ebenso nach Meinung der Autoren Finanzierung von Reisen, aber auch Altersexistenzgründungen, Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit und „kaufkraftoptimierte Wohnberatung“ für Auswanderer. „Diese Generation will vor allem den erreichten Wohlstand genießen statt Kapital zu binden und Vermögen zu vererben“, so Matt- hias Horx. Neue Entsparmodelle – etwa für vorhandene Immobilien – sind zukünftig gefragt.

Die aktuelle DIA-Studie „Zukunftstrends in der Altersvorsorge von morgen“ kann unter www.dia-vorsorge.de angefordert werden.

 

Geld anlegen - und zwar anständig

Zu Gast bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern

Dr. Claus Meier

Immer mehr Anlegerinnen und Anleger berücksichtigen in ihrer Geldanlage neben Risiko, Liquidität und Ertrag auch nachhaltige Kriterien. Bereits 2002 begann die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) ihr Vermögen nachhaltig anzulegen. Mittlerweile sind bereits 86 Prozent nachhaltig investiert und das mit großem Erfolg.

Im Rahmen einer Veranstaltung des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer in Deutschland e.V., zu welcher ich eingeladen war, referierte Oberkirchenrat Dr. Claus Meier, Leiter der Abteilung Finanzen und zugleich Mitglied der Kirchenleitung, über „Nachhaltig handeln – in finanzieller Perspektive“. Dabei erläuterte er sowohl seine Definition von Nachhaltigkeit als auch die sich daraus ergebenden Handlungsstrategien. Ich empfand diesen Vortrag als derart bereichernd und motivierend, dass ich mich entschieden habe, Ihnen einige wesentliche Inhalte wiederzugeben.

Dr. Meier und seinen Mitarbeitern liegt es sehr am Herzen, dass sie das ihnen anvertraute Vermögen, im Wesentlichen Gelder der kirchlichen Pensionskasse, „anständig“ anlegen - und dies im doppelten Sinne. Mit ihrer Geldanlage möchten und müssen sie Geld verdienen, um beispielsweise Personalverpflichtungen erfüllen zu können. Zugleich beeinflussen aber auch ethische Kriterien wesentlich die Geldanlage.

Wie legt die ELKB ihr Geld an?
Bei jeder ihrer Anlageentscheidungen prüft die ELKB, wie jeder Anleger auch, drei Punkte: Wie lange sie auf das Geld verzichten können (Liquidität), welche Rendite sie erwirtschaften möchten und welches Risiko sie maximal bereit sind zu tragen. Darüber hinaus ist für sie allerdings noch die Berücksichtigung einer vierten Dimension von elementarer Bedeutung - Nachhaltigkeit. Claus Meier ist überzeugt, „eine nachhaltige Geldanlage setzt die Regeln einer guten Geldanlage nicht außer Kraft, sondern ergänzt diese.“

Bei der Auswahl ihrer nachhaltigen Investitionen berücksichtigen sie folgende Punkte:

 

  1. Thematische Investments
    Bei thematischen Investments legt der Anleger fest, in welche Bereiche er besonders investieren möchte. Die ELKB erkundet und investiert gezielt in nachhaltige Themen. Zu diesen zählen beispielsweise Finanzierung von Wind- und Solarparks, dezentrale Energieversorgung, energiesparende Produkte, Infrastrukturmaßnahmen im Bereich des Umweltschutzes sowie Mikrofinanzen.

  2. Ausschlusskriterien
    Mit Hilfe von Ausschlusskriterien werden Bereiche, welche mit ihren persönlichen Wertvorstellungen nicht übereinstimmen, auch bei der Geldanlage ausgeschlossen. Nicht vereinbar und damit auch nicht finanziell engagiert ist die ELKB in Pornografie, embryonaler Stammzellenforschung, Waffen und Rüstungsgütern (bzw. Unternehmen, bei denen diese über 5% Anteil am Umsatz ausmachen) sowie Systembauteile für Anti-Personen-Minen, Streubomben und Nuklearwaffen (komplett ausgeschlossen). Mit Hilfe von fünf Expertenhäusern, u.a. oekom research, einer Nachhaltigkeitsrating-Agentur aus München, wird die Einhaltung der Kriterien in den unterschiedlichen Bankmandaten sichergestellt.

  3. Best-in-class
    Beim best-in-class Ansatz werden alle größeren Unternehmen nach ökologischen, sozialen und corporate governance Kriterien (letztere bedeuten Verhaltensstandards zur Unternehmensführung und Überwachung) geprüft. Die besten Unternehmen jeder Branche kommen in die engere Auswahl. Neben den Nachhaltigkeitsrating-Agenturen baut die ELKB bei Ihren Recherchen auf die Unterstützung des weltweiten, kirchlichen Netzwerks, auf NGOs, Behörden sowie akademische Einrichtungen.

  4. Engagement
    Anlegerinnen und Anleger können sich auch aktiv in die Geschäftspolitik eines Unternehmens einmischen. Dem privaten Kleinanleger bietet hierfür die jährlich stattfindende Hauptversammlung eine gute Plattform.

Auch die ELKB übt direkten Einfluss auf Unternehmen, in welche sie investiert ist, aus. Hierbei setzen Dr. Meier und sein Team auf Dialog mit den Unternehmen, welche von ihrer nachhaltigen Strategie abzuweichen drohen, statt auf eine sofortige Abkehr. Beispielsweise plante ein großer Energiekonzern vor zwei Jahren, in einem erdbebengefährdeten Gebiet in Osteuropa ein Atomkraftwerk zu errichten. Dies führte zu einer intensiven Debatte mit der ELKB und mit anderen Investoren. Während die Investoren vertraulich mit der Unternehmensleitung sprachen, regte sich zugleich ein starker zivilgesellschaftlicher Protest, sodass das Unternehmen das Joint Venture beendete. Ein zweites Projekt in einem benachbarten osteuropäischen Land mit ähnlichen Erdbebengefährdungen wurde wenig später ganz stillschweigend aufgegeben.

Bei vielen nachhaltigen Anlegern hätte es ein Energiekonzern, welcher Strom aus Atomenergie produziert, gar nicht erst ins Anlageuniversum geschafft. Bis zum Unglück in Japan war auch die ELKB gemeinsam mit vielen Anlegerinnen und Anlegern der Meinung, dass das Risiko eines Unglücks sehr gering sei. Leider belehrte die Katastrophe in Japan sie eines Besseren. Das Unglück veranlasste Claus Meier mit seinen Mitarbeitern erneut darüber nachzudenken, inwieweit atomstromproduzierende Energieversorger trotz ihrer z.T. sehr hohen Investments in erneuerbare Energien aus dem Blick eines kirchlichen Anlegers vertretbar sind. Sie kamen zu einem negativen Ergebnis und haben bereits sämtliche direkte Investments in Energieversorger, die Atomkraftwerke betreiben, wie beispielsweise RWE, Iberdrola oder Fortum, verkauft.

Wir von GELD mit Sinn begrüßen diese nachhaltige, engagierte und um Transparenz bemühte Anlagestrategie der ELKB sehr und würden uns freuen, wenn auch Sie durch diesen Beitrag inspiriert und ermutigt werden, über Ihre Anlagestrategie nachzudenken. Werden Sie sich Ihrer persönlichen Werte bewusst und überprüfen Sie, ob sich diese auch in Ihrer Geldanlage widerspiegeln. Überprüfen Sie, ob Ihre Geldanlage nachhaltig ist. Der Begriff Nachhaltigkeit ist etwas sehr Persönliches. Jede Anlegerin und jeder Anleger definiert diesen Begriff für sich anders. Allen gemeinsam ist aber der Gedanke an die lebenswerte Zukunft. Nähere Informationen und Erläuterungen zur Anlagestrategie der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern finden Sie in dem lesenswerten ›› „Jahresbericht zur Nachhaltigkeit der kirchlichen Vermögensanlage“ (pdf).

 

Autorin: Heidi Geisler, GELD mit Sinn! e.V.

"Wer nichts weiß, muss alles glauben..."

Im schönen Hamburger Grindelviertel lernten wir kürzlich Susanne Kazemieh kennen, Geschäftsführerin der FrauenFinanzGruppe und freie Finanzberaterin. Für den Besuch eines Cafés blieb leider keine Zeit, dafür erhielten wir interessante Einblicke in das von ihr 1989 gegründete Beratungsbüro. Und ja, es arbeiten dort zu 100 Prozent Finanzfachfrauen – in der Finanzbranche ein ungewöhnlicher Anblick.

Frau Kazemieh, Sie sind die Gründerin einer Frauenfinanzberatung. Tatsächlich lassen sich auch viele Männer von Ihnen beraten. Warum?

Meistens werden die Männer durch die Erzählungen ihrer Partnerin oder Kollegin auf uns aufmerksam und fragen dann, ob sie „auch als Mann eine Chance“ hätten, von uns beraten zu werden. Manchmal kommen die Männer auch gleich zum ersten Beratungsgespräch mit, nicht selten aus Furcht, ihre vermeintlich ahnungslose Frau könnte von uns sonst über den Tisch gezogen werden. Stellen sie dann fest, dass es bei uns anders zugeht, werden sie oftmals auch gerne unsere Kunden.

Auch bei unabhängigen Finanzberatungen gibt es Unterschiede – in der Intensität der Beratung, im Beratungsstil oder in Bezug auf das Produktspektrum. Wie würden Sie Ihr Unternehmen hier einordnen?

Gerade bei der „Zielgruppe Frauen“ wird gerne mit dem Ansatz „Wir nehmen Ihnen das (nervige Thema Finanzen und Versicherungen) ab!“ gearbeitet. Unsere Philosophie ist eine ganz andere: Es gibt kein selbstbestimmtes Leben ohne finanzielle Unabhängigkeit. Wenn ich die Verantwortung für meine Finanzplanung delegiere, bleibe ich aber abhängig. Ziel muss doch sein, vor allem Frauen darin zu stärken, eigenverantwortlich mit dem eigenen Geld umzugehen. Und die meisten Frauen können das besser als Männer – sie wissen es nur noch nicht!

Gibt es Anlageformen, die Sie von Ihrer Beratung komplett ausschließen, etwa weil sie in Ihren Augen zu spekulativ sind?

Ja, grundsätzlich vermitteln wir keine Hedgefonds und keine Beteiligungen, bei denen die Kunden Gefahr laufen, nachschießen zu müssen – die Risiken sind in beiden Fällen gewaltig. Darüber hinaus grenzen wir solche Versicherer und Investmentgesellschaften aus, die sich durch bewusste Irreführung der Kunden einen zweifelhaften Ruf erarbeitet haben.

Versicherungs- und Finanzmakler werden gerne pauschal als unseriöse Berufsgruppe abgetan. Das ist schade, denn ein kompetenter, erfahrener Finanzberater ist für seine Kunden Gold wert. Woran erkenne ich einen guten Berater oder eine gute Beraterin?

Das ist in der Tat ein großes Problem in Deutschland. Da wir bis vor kurzem keinerlei gesetzliche Anforderungen an diejenigen hatten, die Versicherungs- und Finanzprodukte vermittelt haben, konnte sich praktisch jeder „Finanzberater“ nennen. Dazu kommt, dass das Vergütungssystem leider immer noch das schnelle Geschäft, und nicht die gründliche Beratung und langfristige Betreuung honoriert. Aber auch die „Geiz-ist-geil“-Philosophie trägt zu diesem verzerrten Bild bei: Wenn ich alles umsonst oder zumindest billig haben möchte, kann ich von der anderen Seite nicht erwarten, eine hochqualifizierte Leistung zu bekommen.

Gute Beraterinnen und Berater setzen nicht unter Zeitdruck, kommen nicht unaufgefordert mit „Angeboten“ auf Kunden zu, haben ein eigenes Büro (kommen also nicht zur Kundin aufs Sofa), zeigen verschiedene Lösungsmöglichkeiten mit Vor- und Nachteilen auf, und machen auch keinen Hehl daraus, dass sie für ihre Leistung Geld verdienen wollen – sei es über ein Beratungshonorar oder über Vermittlungscourtagen.

Wir sind der Ansicht, dass die Anlegerinnen und Anleger sich ein Grundwissen in Finanzdingen aneignen sollten. Wie viel müssen Anlegerinnen in Ihren Augen wissen, um verantwortungsvoll mit ihrem Geld umzugehen?

„Wer nichts weiß, muss alles glauben“ – diesen wunderbaren Satz formulierte Marie von Ebner-Eschenbach. Natürlich kann sich nicht Jede und Jeder zum Experten machen. Aber Anlegerinnen sollten eine Anleihe von einer Aktie unterscheiden können, den Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Fonds kennen.

Was hält Anleger davon ab, zu einer freien Finanzberatung zu gehen?

Ich glaube, dass viele Menschen immer noch eine sehr diffuse Vorstellung von den unterschiedlichen Berufsbildern innerhalb der Finanz- und Versicherungsbranche haben. Sie wissen weder, dass sowohl der „Bankberater“ als auch der Versicherungsvertreter die Interessen – und damit die Produkte – ihres Hauses vertreten muss. Erst recht haben sie kein Bild vom freien Finanzberater. Wie sollen sie auch, wenn jeder Möchtegern sich so nennen kann und die windigsten Produkte mit horrenden Kosten über den Wohnzimmertisch schieben darf.

Wie ist Ihre Erfahrung mit nachhaltigen Geldanlagen, in Bezug auf die Leistungsfähigkeit und Sicherheit?

Nachhaltig gemanagte Unternehmen erzielen langfristig höhere Renditen, steigen positiv in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und können ihre (zufriedeneren) Mitarbeiter länger an sich binden. Dies spiegelt sich auch in ihren Börsenkursen wieder, sodass es viele Nachhaltigkeitsfonds gibt, die konventionellen Anlagen in nichts nachstehen müssen. Was uns hier noch fehlt, sind konservative Produkte. Es fehlen flexible Renten- und Immobilienfonds, die – gerade in so schwierigen Phasen wie derzeit – angemessen (und nachhaltig) auf den Markt reagieren können.

Wie gehen Sie mit Kundinnen um, die ihr komplettes Vermögen nachhaltig anlegen möchten?

Zunächst einmal müssen wir mit der Kundin deren Nachhaltigkeitsbegriff klären. Hier zeigt sich sehr schnell, worum es der Kundin geht. Viele möchten auf gar keinen Fall in Rüstung investieren, anderen ist es wichtig, dass die Unternehmen einen fairen Umgang mit ihren Mitarbeitern pflegen. Als Anlageberaterin bin ich immer erleichtert, wenn die Ansage der Kundin nicht ganz dogmatisch lautet, dass sie sich reine grüne Anlagen wünscht, denn: Als Anlageberaterin habe ich nicht zuletzt für einen verantwortungsbewussten Risikomix zu sorgen, und bei einer derart starken Ausgrenzung finden wir nicht mehr viele Produkte, die überhaupt in Frage kommen.

www.frauenfinanzgruppe.de

Das CEO2 Spiel, Grüne Versicherungen

Das CEO2Spiel, Grüne Versicherungen

Die Allianz Lebensversicherung überraschte uns diesen Monat mit einem Frühlingsgeschenk: „Fondsgebundene Altersvorsorge wird grün“, so eine Pressemeldung des Versicherungskonzerns. Tatsächlich können Kunden seit Februar 2011 ihre fondsgebundenen Altersversorgungsverträge mit nachhaltigen Investments verbinden. Wir nahmen dieses Ereignis zum Anlass, um auf ein ungewöhnliches Spiel hinzuweisen, das die Allianz gemeinsam mit dem WWF entwickelt hat.

CEO2 oder: Heute sind Sie Klimaschutz-CEO

Bei „CEO2“ schlüpft der Verbraucher in die Rolle des Vorstandsvorsitzenden (CEO) eines Unternehmens -- samt Vorstandsbüro, Budget und Beraterzirkel. Seine Aufgabe: Die co2-Emissionen des Unternehmens zu reduzieren. Die Fülle an denkbaren Maßnahmen ist groß: Soll das Unternehmen nach Energieeinsparungspotentialen suchen? Soll es in erneuerbare Energien investieren? Oder doch lieber ein „Green Marketing“-Programm auflegen?

Das Spiel setzt sich realistisch mit den Handlungsweisen und -möglichkeiten eines Unternehmensvorstands auseinander, der vielseitigen Interessen und Einflüssen ausgesetzt ist. Der CEO kann dabei Unternehmensberater, Investoren, Kunden, Umweltschützer und andere Experten zu Rate ziehen.

 

Eine Szene aus der Spielvariante „Versicherungskonzern“:

Der CEO greift zum Telefon und ruft eine Kundin an.

  • CEO an Kundin: Unser Konzern möchte CO2-Emissionen reduzieren. Deshalb wollen wir einen Teil unserer Anlagegelder in klimafreundliche Investitionen wie z.B. Windparks investieren. Wie denken Sie über diese Maßnahme?
  • Kundin: Natürlich möchte ich die Umwelt schützen, aber ich möchte auch ein verlässliches Anlageszenario, denn es geht ja hier um meine Altersvorsorge.
  • CEO an Investor: Was halten Sie von der Idee, mehr klimafreundliche Investitionen zu tätigen?
  • Investor: Wir sind nicht Greenpeace. Die Kunden vertrauen Ihnen ihr Geld an und erwarten eine gute Rendite, und das tue auch ich. Was auch immer Sie tun: Wenn Sie nicht sicher stellen können, dass es sich finanziell lohnt, lassen Sie es!

Nachhaltige Investments senken CO2-Emissionen

Wenn der Spieler sich für einen Maßnahmenstrauß entschieden hat, wird auf einem Chart projiziert, wie stark die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 gesenkt werden und wie sich der Aktienkurs des Unternehmens in dieser Zeit entwickeln könnte . Auf diesem Chart werden auch externe Ereignisse angezeigt, die den CO2-Sparkurs des Unternehmens beeinflussen können, zum Beispiel Windparks, die weniger (oder mehr) Storm erzeugen als erwartet.

GELD mit Sinn schätzt an CEO2 vor allem, wie das Spiel die Einflussnahme der Verbraucher/Anleger auf das Verhalten von Unternehmen abbildet. Natürlich wird im wirklichen Leben kein CEO eine einzelne Kundin konsultieren, aber er hat im besten Fall Berater, die den Kundinnen und Kunden sehr genau zuhören und ihn über verändertes Nachfrageverhalten informieren. Im Übrigen ist das Spiel ist so realistisch und bedienerfreundlich gestaltet, dass wir beim Ausprobieren jede Menge Spaß hatten.

Ein Spiel mit ernstem Hintergrund

Die kreativen Köpfe hinter diesem kleinen Wunderwerk sind Eric Mahleb und Valdis Wish von der Berliner Agentur LGM Interactive. Die Internet-Agentur ist erfahren in der Entwicklung von sogenannten „interaktiven Lernspielen“ und setzt diese vor allem dazu ein, um ökologische oder soziale Themen zu transportieren. So entwickeln sie gerade ein Spiel, das Kindern das Thema Menschenrechte näher bringen soll.

Agentur-Gründer Eric Mahleb freut sich über die große Resonanz, die das Spiel vor allem im englischsprachigen Ausland erzielt hat. Er gibt jedoch zu, dass einige Spieler auch enttäuscht waren: „Manchen gefiel es nicht, dass zu den Entscheidungsoptionen des CEOs auch ein Green Marketing-Programm zählt. Diese Option spiegelt in unseren Augen jedoch die Realität wider, denn in einem großen Konzern werden natürlich auch solche Maßnahmen in Betracht gezogen, wenn es um das nachhaltige Image geht.“

Die Führungskräfte der Allianz Lebensversicherung entschieden sich offenkundig für die Option „nachhaltige Investments“, indem sie die fondsgebundene Altersvorsorge an nachhaltige Anlagefonds koppelten. Wir finden: Eine tolle Wahl!

Text: Birte Pampel, GELD mit Sinn!

 

›› Zum Spiel CEO2

›› Zur Pressemeldung der Allianz vom 3.2.2011: „Fondsgebundene Altersvorsorge wird grün“

 

Beatrix Boutonnet: Immobilienfonds im Fokus

Die Finanzexpertin Beatrix Boutonnet schreibt seit mehr als elf Jahren über Geldanlagen, vorwiegend für die Fachpresse, aber auch für überregionale Medien wie Capital, Performance, Financial Times, Focus Money und viele Tageszeitungen. Darüber hinaus ist die Finanzjournalistin als Moderatorin und Referentin auf zahlreichen Branchenveranstaltungen zu treffen. Die Journalistin sprach mit GELD mit Sinn über Nachhaltigkeit, Immobilienfonds und modernen Finanzjournalismus.

 

Woher rührt Ihr Interesse für nachhaltige Geldanlagen?

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das mir auch persönlich in vielerlei Hinsicht wichtig ist. Ein vernünftiger Umgang mit Ressourcen schließt ja auch das Thema Geldanlage mit ein. Ich schreibe viel über Zertifizierungen und grüne Immobilien. Das ist ein Thema, das die Immobilienbranche stark bewegt. Man spürt schon langsam einen Trend zum Umdenken, auch wenn das Thema stark marketinggetrieben ist und viel „greenwashing“ betrieben wird. Man muss schon genau hinschauen, denn grün ist nicht gleich grün.

Sie befassen sich seit vielen Jahren mit Immobilienfonds, einem Bereich, in dem Nachhaltigkeit bisher nur eine geringe Rolle spielte. Welche Impulse kommen hier von den Fondsanbietern?

Inzwischen ist es schon so, dass die meisten Immobilienfonds versuchen beim Kauf von Neugebäuden „grün“ zu kaufen. Es ist ja auch ein gutes Marketinginstrument, denn Anleger stehen zweifellos auf Themen wie Nachhaltigkeit. Auch beim Refurbishment von Fonds achtet man verstärkt auf Umweltverträglichkeit und klimaschonende Verfahren.

Wie steht es um die Nachhaltigkeit in Bestandsgebäuden?

Das ist zunächst ein Kostenfaktor, denn bei bestehenden Gebäuden ist das natürlich deutlich teurer und technisch oft schwerer umzusetzen. Dennoch ist es hier wichtig Lösungen zu finden, denn genau da verpufft die meiste Energie. Immer mehr Baufirmen versuchen aber schon darauf zu achten die Immobilie nachhaltig umzubauen, letztendlich muss es sich aber auch rechnen. Der Druck muss also auch von den Mietern kommen und sie müssen bereit sein für Nachhaltigkeit auch mehr Miete zu bezahlen. Letztendlich rechnet es sich ja wieder über geringere Energiekosten über die Mietzeit.

Welche Unternehmen sehen Sie auf diesem Gebiet als besonders innovativ an?

Im Fondsbereich gibt es viele Initiatoren, die auf Nachhaltigkeit achten. MPC Capital startet die Platzierung des geschlossenen Immobilienfonds MPC Deutschland 7. Der bereits angekaufte Neubau wurde als eines von bisher nur 54 Gebäuden weltweit mit dem Gold-Status der Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ausgezeichnet. Auch Initiatoren wie Hannover Leasing, die Wealthcap, Buss Capital, Hesse Newman und Wölbern haben nachhaltige Immobilien im Angebot.

Vor einigen Monaten war bei den geschlossenen Immobilienfonds von einer Anlegerflucht die Rede. Wie steht es jetzt um die Anleger?

Die Anleger wollen hohe Sicherheiten. Im Neubaubereich werden Immobilienfonds bevorzugt, die eine fertige Core -Immobilie mit staatlichen Mietern und langen Mietverträgen aufweisen. Generell gilt aber für den Immobilienbereich: Die Preise brachen je nach Standort erheblich ein, für die bestehenden Fonds aber war es oft nicht ganz so schlimm, wie befürchtet. Problematisch war es vor allem für die Fonds, bei denen nun eine Anschlussvermietung oder Anschlussfinanzierung ansteht, da die Mieten vielerorts einbrachen und die Banken nur ungern oder teuer finanzieren. Das lässt bei so manchen die Prognoserechnung kippen. Auch die Inflationsrate, die in den meisten Fonds mit zwei bis 2,5 Prozent einkalkuliert wurde, lässt die Mieteinnahmen nicht in dem Maße steigen, da die Rate derzeit deutlich darunter liegt. Bei ausländischen Fonds macht die Loan-to-Value Klausel, also das Verhältnis Immobilienwert zum Fremdkapital oft Probleme. Fonds müssen Geld nachschiessen, da der Immobilienwert nach unten ging.

Was halten Sie heute im geschlossenen Fondssektor für eine vernünftige Rendite?

Bei Immobilienfonds halte ich fünf Prozent für eine vernünftig kalkulierte Rendite. Alles anderes ist künstlich hochgerechnet. Bei der Renditeerwartung müssen die Anleger umdenken, nach dem Motto: lieber weniger Rendite, dafür aber vernünftig kalkuliert. Dazu zählt auch, dass der Fonds Rücklagen bildet für Reparaturen oder regelmäßig Schulden tilgt.

Bei nachhaltigen Fonds würde ich als Anlegerin mehr Transparenz erwarten als bei konventionellen. Wie sieht die Realität aus?

Transparenter als die klassischen Fonds sind nachhaltige Fonds nicht unbedingt. Gerade bei Newcomern sollte man genau hinschauen. Seriöse und professionelle Anbieter bei geschlossenen Fonds richten sich bei der Prospektierung inzwischen alle nach dem IDW-Standard für die Prospektgestaltung.

GELD mit Sinn! möchte besonders Frauen einen Zugang zum Finanzthema bieten. Wie stehen Sie zu diesem Ansatz?

Ich glaube, dass viele Frauen mit den Themen Finanzen und Geld Probleme haben und sich nicht herantrauen. Mich fragen ja auch viele, wenn ich sage ich arbeite als Wirtschaft- und Finanzjournalistin: Und das gefällt dir? Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit, die schon hart war und wo man sich durchbeissen musste, finde ich das Thema inzwischen schon lange sehr spannend. Ich glaube vor allem in der Schule müsste mehr praktische Wirtschaft gelehrt werden, um von Anfang an das Interesse an Finanz- und Wirtschaftsthemen zu wecken. Christine Bortenlänger, die Geschäftsführerin der Börse München, ist hier sehr aktiv.

Was ist die größte Herausforderung im Finanzjournalismus?

Als Finanzjournalistin ist es mir wichtig, die oft sehr komplexen und schwierigen Themen so formulieren, dass sie interessant und für den Leser verständlich werden. Häufig haben Finanzjournalisten Probleme Sachverhalte in einfachen Worten zu erklären, weil man einfach zu tief im Thema steckt, und vieles für selbstverständlich hält.

Außerdem müssen gute Finanzjournalisten die Dinge in Kontext setzen und die Anleger nicht unnötig verunsichert. Häufig kommt es vor, dass Sachverhalte zu positiv oder zu negativ beschrieben werden, weil das für Schlagzeilen sorgt. Das ist nicht gut.

PDF - Interview mit Beatrix Boutonnet (112 kb)

Dr. Mariana Bozesan "Nachhaltig Investieren: Der große Zusammenhang"

„Nachhaltig Investieren" ist ein Trend, mit dem sich viele Unternehmen gerne schmücken. Aber was ist das Zeitlose und Revolutionäre an dieser Idee? Dr. Mariana Bozesan ist eine der kraftvollsten und innovativsten Vordenkerinnen der nachhaltigen Investmentszene, mit globalem und nachhaltigem „Impact“. Die Multi-Unternehmerin, Investorin und Bewusstseinsforscherin beleuchtet in einzigartiger Tiefe den Zusammenhang zwischen unserer Investmentkultur und den ökonomischen, gesellschaftlichen, ökologischen und evolutionären Bedürfnissen unserer Spezies.
Ihr Artikel "Integral Impact Investing" wurde ursprünglich in der internationalen Ausgabe der Zeitschrift FORUM CSR veröffentlicht und ist hier in englischer Fassung verfügbar:

PDF - Mariana Bozesan, Integral Impact Investing
Webseite: www.IntegralImpactInvesting.com

 

Der Mitbewohner in meinem Portemonnaie

Besinnliches zum Neuen Jahr von Birte Pampel, Mitgründerin von GELD mit Sinn!

Engel fühlen sich auch in ganz normalen Geldbeuteln wohl.

Kitsch hat in meinem Leben keinen Platz. Sie werden an meinen Wänden keine röhrenden Hirsche finden und an meinem Handy keinen Hello Kitty-Anhänger entdecken. Aber ich muss Ihnen etwas gestehen, das nicht so ganz in dieses nüchterne Bild passt: Ich habe einen Schutzengel im Geldbeutel. Dieser Vertreter der Spezies Himmelsgeschöpfe ist ungefähr zwei Zentimeter groß, hat Flügel, die fast bis zum Boden reichen und sein Profil ist auf einer silbernen Münze eingeprägt. Ich trage diese Münze seit vielen Jahren in meinen Geldbeutel. Zwei weitere Exemplare befinden sich im Besitz von zwei Freundinnen. Unsere Geschichte ist eng verwoben mit den Ereignissen, die zu dieser Initiative geführt haben.

Wir waren drei Frauen ungefähr im gleichen Alter und wir hatten viel gemeinsam: Wir lebten in den neunziger Jahren in New York City. Wir waren „Ex-Pats“, im amerikanischen Ausland tätige Auswanderinnen. Wir arbeiteten in der Verlagsbranche und hatten unseren Arbeitsplatz im Herzen von Manhattan, dort, wo es schön lebendig und bunt zugeht.

Geld war in dieser Zeit immer und überall ein Thema. Denn als Angehörige der Verlagsbranche verdienten wir für New Yorker Verhältnisse relativ wenig -- in einer Stadt, die fürs Geldausgeben gemacht ist! Zwar kostet ein Kaffee beim Straßenverkäufer nur 75 Cent, aber in der Zeit, in der man den Kaffee austrinkt, kann man theoretisch mehrere hundert Dollar ausgeben. Problemlos! Tolle Geschäfte an jeder Straßenecke, Restaurants zum Verlieben, Shoppingmalls am Sonntag: Da ist es im Prinzip völlig egal, wie viel Geld man verdient. Denn alle, auch die Besser- und Bestverdienenden, haben nie genug. Und alle reden, klagen und diskutieren öffentlich über Geld.

Manche beließen es nicht beim Diskutieren: Da war die Kollegin in der Bildagentur, die heimlich auf der Seite Fotos verkaufte, um sich ihre teure Garderobe zu finanzieren. Oder die aus der ehemaligen Sowjetunion emigrierte Autorin, die einer Shopping-Obsession erlegen war und noch Jahre später mit der Abzahlung ihrer Schulden kämpfte. Die Vertriebschefin, die ihre gesamte Sippe in Finanzdingen beriet und mit großem Erfolg „nest eggs“ (liebevoller Ausdruck für „Geldpolster“) ansparte. Oder die Studentin, die von Kreditkartenunternehmen umkreist wurde wie eine überreife Honigwabe.

Wir saugten diese Geschichten teils mit Neugier, teils mit der Erschütterung von Europäern auf, die es nicht gewohnt sind, derart offen und unbefangen über Geld zu reden. Gold verkleidete Trump Tower und Luxus-Limousinen mögen ja gehen, aber die eigenen Schulden, Geldsorgen und ruinösen Gewohnheiten zu diskutieren? Das fühlte sich irgendwie unfein und peinlich an.

Über die Jahre veränderte sich mein Verhältnis zu Gelddingen. Ein Auslöser war mein erster Arbeitgeber, ein Verleger, der alternative Finanzratgeber herausgab. Bei diesen Büchern ging es nicht um ökologische Themen (davon konnte in den 90er Jahren in New York City noch keine Rede sein), sondern um einen ganzheitlichen Umgang mit Geld, der in psychologischen, kulturellen und spirituellen Erkenntnissen wurzelte. Die Autorinnen und Autoren hinterfragten die psychologischen Mechanismen der Schuldenspirale und dem Wunsch nach finanzieller Sicherheit. Sie analysierten die uralten Mythen, die unser Finanzverhalten bis in die heutige Zeit beeinflussen, und diskutierten leidenschaftlich über die gesellschaftliche Verantwortung von altem und neuem Geld in den USA. Die Vielfalt der Perspektiven und Fragestellungen war faszinierend! Und je mehr ich von diesen Menschen las, desto mehr lud sich das Thema Geld für mich mit Sinn auf.

Dann kam 9/11 und der poltisiche und finanzielle Herzschlag der USA setzte für lange Zeit aus. Wer nicht als Feuerwehrmann arbeitete oder Schutt wegräumte, fühlte sich hilf- und nutzlos. Niemand konnte sich vorstellen, dass diese sinnentleerende Katastrophe eines Tages etwas Positives hervorbringen würde. Doch 9/11 hat, wenn auch im Kleinen, etwas im Bewusstsein der Menschen verändert. In der Stadt der Karriere- und Geldsüchtigen fanden viele zu Werten zurück, die in dem wilden Erfolgskarroussel untergegangen waren. Freundschaft wurde wieder wichtig. Familie. Die Blumen am Wegesrand. Manch Börsenmakler und manche Investmentbankerin hat in dieser Zeit gelernt, dass „reich“ auch eine Form der Lebensfülle sein kann, die nicht käuflich ist.

Wir drei blieben noch mehrere Jahre nach der Katastrophe in New York City und erlebten, wie die Stadt wieder auf die Füße kam. Dann beschloss die erste von uns, dass es Zeit war, in die alte Heimat zurückzukehren. Noch ein paar Mal trafen wir uns zu dritt, um gemeinsam durch unsere Lieblingsviertel zu streifend und über unsere Zukunft zu spekulieren. An einem dieser Tage habe ich die Silbermünzen entdeckt, in einem kleinen Laden an der 86sten Straße.

Ja, der Geldengel ist ein bisschen kitschig. Aber er ist auch ein Symbol für etwas, das unser Leben auf eine tiefe und geheimnisvolle Art berührt – eine Währung, die uns im Überfluss zur Verfügung steht.

Verraten Sie uns, was Sie in Ihrem Geldbeutel tragen?

Herzliche Grüße,
Birte Pampel